Kältehoch „Hartmut“ schlug zu: Wintereinbruch im März

Nachdem der Winter diesmal wieder wie so oft in den Jahren zuvor bis auf ein paar Frostnächte kaum der Rede wert war, rutschte die Quecksilbersäule im Februar noch einmal deutlich unter den Nullpunkt und zu allem Überfluss gab es in den letzten Februartagen und zu Beginn des meteorologischen Frühlings Anfang März noch einmal so richtig Winter mit reichlich Frost und Schneefall, begleitet von einem unangenehmen Ostwind, der über mehrere Tage hinweg stellenweise für Verwehungen sorgte. Unser Foto aus der Meiereistraße in Schnarup-Thumby zeigt die Schneemengen, die Anfang März gefallen waren.
Zu verdanken hatten war das dem Einfluss von Kältehoch „Hartmut“, das fest über Skandinavien lag und uns beständig kalte Luft aus dem Osten hereinschaufelte. Ausgerechnet in unserer Region Angeln und in Nordfriesland zog ein Schneegebiet nach dem anderen durch, während die südlicheren Gebiete in Schleswig-Holstein lange nicht so stark betroffen waren. Noch mehr Schnee als bei uns hat es aber offensichtlich in und um Flensburg gegeben.
Ein Schneeerlebnis besonderer Art hatte unser Mitbürger Claus Kuhl. Bis zum Neubau seines Hauses in Schnarup-Thumby wohnt er im Struxdorfer Ortsteil Arup. Der ist bei Schneefall und Wind im Winter nur zu erreichen, wenn kurz vorher der Schneepflug gefahren ist. Zwei Tage lang hatte der Journalist wegen Schneefalls alle Termine abgesagt. Doch am 1. März sah die Situation schon wieder freundlicher aus. Deshalb fuhr er an diesem Abend auch nach Brodersby, um dort über eine Wahlkampfversammlung zu berichten. Auf dem Hinweg war es zwar nicht schneefrei, aber mit Winterreifen kann man gut durch. Die Versammlung dauerte lange. Erst gegen Mitternacht konnte sich Claus auf den Heimweg machen. Das ging bis zur Abfahrt am Umspannwerk Struxdorf auch ganz gut. Doch lag dort bereits Schnee in der Einfahrt nach Arup. Deshalb fuhr er lieber auf der Landesstraße bis zur Abfahrt Rabenholz durch. Dort war die Schneelage überschaubar. In Unwissenheit über die Tücken der Strecke nahm er diesen Weg. Doch unterhalb der Windmühlen wurden die Schneewehen so hoch, dass er stecken blieb und es kein Vor und Zurück mehr gab. Mit dem Handy versuchte er jemanden anzurufen, der ihn wieder herauszog. Doch nachts um halb eins geht in dieser Gegend kaum jemand ans Telefon. Der Beamte vom Notruf der Polizei konnte auch nicht weiterhelfen. Er empfahl, den ADAC anzurufen. Zur Ehrenrettung der Polizei sei gesagt, dass man eine Stunde später zurück rief, um sich zu erkundigen, ob die Notlage beseitigt sei. Bei seinen vielen Anrufversuchen hatte Claus dann doch Glück. Dieter Thiesen, Bürgermeister von Struxdorf, nahm den Hörer ab und verriet die Telefonnummer von Andreas Andresen, der die Schneeräumung in Struxdorf organisiert. Der hatte nach einem arbeitsreichen Tag gerade einmal zwei Stunden Schlaf hinter sich, erklärte sich aber sofort bereit, vorbeizukommen. Er entschuldigte sich fast dafür, dass das vielleicht eine Viertelstunde dauern könnte.
Mit seinem Trecker zog er den Kleinwagen aus dem Schnee und fuhr mit dem Schneepflug vorweg, damit der Havarist sicher nach Hause kam. Anschließend legte er sich nicht schlafen sondern schob in den nächsten vier Stunden noch einmal alle Straßen frei. Bis zum nächsten Einsatz und seinem „normalen“ Tagewerk konnte er dann noch eine weitere Stunde schlafen.
Natürlich war der Gerettete über die Hilfe mehr als erfreut und sehr dankbar. Doch an dieser Stelle sei nicht nur Andreas sondern auch allen anderen gedankt, die bei diesem Wetter frühmorgens und in der Nacht mit ihren Maschinen unsere Straßen freihalten und bei Glätte Salz streuen. Einige bekommen es bezahlt. Und andere tun das ehrenamtlich. Aber eine Leistung, die über das übliche Maß hinausgeht, ist es auf jeden Fall. Und man hat das Gefühl, dass sie auch mit dem Herzen dabei sind.
Ulrich Barkholz

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