Aus dem Herzen: Das Ehrenamt – ein aussterbendes Amt?

Letzten Herbst wurde zum alljährlichen Elternabend in der Schule unserer Tochter geladen. Mit auf der Tagesordnung stand der Punkt „Wahl einer neuen Elternvertretung“. Ich bin wirklich, wirklich mit dem Vorsatz hingefahren, nicht am Ende des Abends mit einem weiteren Ehrenamt nach Hause zu kommen. Als der Punkt verlesen wurde, bin ich wirklich, wirklich auf meinen beiden Händen sitzen geblieben und wollte mich nicht melden. Doch nach einer gefühlten Stunde, in welcher alle Anwesenden den Fußboden oder die Decke gemustert haben, hörte ich mich sagen: „Okay, ich mache es.“
Wer übernimmt ein Ehrenamt? Diejenigen, die nicht Nein sagen können? Diejenigen, die sich für das Allgemeinwohl einsetzen möchten? Die etwas bewirken, bewegen oder ändern wollen? Sei es in Form der Feuerwehr, des Rettungsdienstes, der Dorfpolitik, eines Sportvereins, eines Sparclubs, einer Pfadfindergruppe, einer Dorfzeitung, eines Kinderfestes, eines Dorfflohmarktes usw.
Hinter all den Ehrenämtern – und es tut mir leid, sollte ich eines vergessen haben aufzuzählen – stehen Menschen. Diese Menschen investieren ihre Freizeit, wenn die Sirene geht und Ausschüsse tagen müssen. Sie geben einen Teil ihrer freien Zeit für die Vorbereitung unseres beliebten Feuerwehrfestes, das Boßeln, das Osterfeuer, das Maibaumaufstellen oder das Verspielen her. Sie investieren einen Teil ihrer Freizeit, wenn die Leerung und Zählung des Sparclubs ansteht, sich einmal die Woche mit kleinen und großen Pfadfindern getroffen wird, sich sportlich in der Halle/dem Sportplatz betätigt wird oder eben die 5w entsteht. Sie planen das Kinderfest und den Dorfflohmarkt.
Sicher, wie man sich bettet, so liegt man und jedem steht es frei, sich für eine Sache zu engagieren oder eben nicht.
Nur wenn wir alle so denken, uns auf diejenigen verlassen, die bisher alles mit Bravour gemanagt haben oder denken „Irgendeiner wird es schon machen“, dann können unter Umständen z.B. diese Veranstaltungen nicht mehr stattfinden.
Durch das Angebot solcher Veranstaltungen z.B. wird es Neuzugezogenen erleichtert, sich in eine bestehende Gemeinschaft zu integrieren.
Ich bringe mich gerne in das Dorfgeschehen ein. Denn trotz Arbeit, die das Ganze mit sich bringt, macht es auch Spaß. Dadurch habe ich bereits viele Leute kennen gelernt und weiß dieses Dörfchen und seine Einwohner zu schätzen. Wir wohnen im kommenden Sommer erst zwei Jahre hier und doch ist es tatsächlich unser Zuhause. Heimat. Vor allem das Dorfleben hier in Schnarup-Thumby hat uns seinerzeit angesprochen, denn hier findet tatsächlich noch ein solches statt. Das ist nicht selbstverständlich! An dieser Stelle ein großes Danke an alle, die sich für unser Dorf einsetzen!
.Vielleicht konnte ich mit meinen Überlegungen ein wenig zum Nachdenken anregen und vielleicht fällt es der oder dem Einen das nächste Mal leichter, den Arm zu heben und zu sagen: „Okay, ich mache es.“
Mir persönlich graut ein wenig vor dem nächsten Elternabend. Ich habe nämlich keinen Vertreter mehr…
Stefanie Merkel

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