Die Volksschule Thumby zwischen 1875 und 1918 (Teil 2)

Dass der Thumbyer Lehrer Jochimsen dann im Jahre 1875 mit regelmäßigen schriftlichen Aufzeichnungen begonnen hat, ist auch die Folge des politischen Wandels nach der Niederlage Dänemarks gegen Preußen und Österreich. So wurde neben vielen anderen Neuerungen den nunmehr preußischen Schulen die Pflicht zum Erstellen einer Schulchronik auferlegt. Die Schulen waren aber offenbar nicht alle geneigt, diese Weisung zügig zu befolgen. Deswegen kam die Umsetzung dieser Vorgabe wohl insgesamt eher schleppend voran, aber am 22.7.1881 erschien ein preußisches Regierungs-Bulletin. Darin hieß es:
„Was endlich die Führung der Schulchronik betrifft, die für manche Schulen noch nicht eingerichtet ist, so bemerken wir, daß dieselbe nichts anderes sein soll, als was ihr Name besagt, nämlich eine kurze Chronik der Schule. Wo eine solche erst eingerichtet wird, da wird es angemessen sein, dieselbe mit einer kurzen Geschichte der Schule, soweit sie dem dermaligen Lehrer, dem Schulinspektor oder den Mitgliedern des Schulkollegiums bekannt, zu eröffnen. In das für dasselbe eingerichtete Büchlein sind dann alle wichtigeren Ereignisse des Schullebens, mögen sie den Schulort, den Lehrer, die Kinder, die Schuleinrichtungen usw. betreffen, sauber und sorgfältig einzutragen, um auf diese Weise den Späteren einen Einblick in die Vergangenheit der Schule zu gewähren. Daß die Schulchronik nicht der rechte Ort ist, um etwaige Klagen oder Wünsche zum Ausdruck zu bringen, daß sie vielmehr nur Tatsachen und Ereignisse schlicht und recht zu verzeichnen hat, ergibt sich aus ihrem Namen.“
Diese damalige Neuerung des Chronik-Schreibens hat immer noch Bestand. So sind unsere Schulen bis heute verpflichtet, ihre Chroniken regelmäßig fortzuschreiben. Dies ist eine Aufgabe, die in der Regel von der Schulleitung oder ihrer Vertretung persönlich wahrgenommen werden muss und nicht delegierbar ist. Das preußische Regierungs-Bulletin von vor über 130 Jahren wirkt also bis heute in unsere Schulen hinein und sorgt dafür, dass durch eine regelmäßige Dokumentation der Geschehnisse in der Schule die Entwicklung der Bildungseinrichtung im Rückblick je nach Umfang der Aufzeichnungen mehr oder weniger differenziert betrachtet werden kann. Damit haben die damaligen Regierungsfunktionäre aus heutiger Sicht einen ausgesprochen nachhaltigen Impuls gegeben.
Auch die Thumbyer Volksschule (Abbildung: das damalige Thumbyer Schulgebäude bis zu seinem Abriss im Jahre 1912, Aquarell) erlebte zu Beginn der schriftlichen Aufzeichnungen sicherlich eine Phase der Unruhe und des Umbruchs, denn es war eine kriegerische Zeit. Am 18. April 1864, also 11 Jahre vor dem ersten Eintrag unseres Chronisten in Thumby, wurden von preußischen und österreichischen Truppen die Düppeler Schanzen erstürmt. Mit dem Friedensvertrag von Wien musste Dänemark die Souveränität über die Herzogtümer Schleswig und Holstein an Preußen und Österreich abgeben und damit auch die Aufsicht über die Schulen, wie auch immer diese sich zum damaligen Zeitpunkt gestaltete. Während Prinz Friedrich von Augustenburg sich der Hoffnung hingab, als Herzog Friedrich VIII. künftiger Regent eines Fürstentums Schleswig-Holstein zu werden, zeigten die Preußen wenig Interesse daran, zwischen Nord- und Ostsee einen neuen Kleinstaat entstehen zu lassen. Zwischen den beiden Siegermächten Preußen und Österreich gab es außerdem zunehmend Rivalitäten und Feindseligkeiten. Beide Mächte ordneten eine erneute Mobilmachung an. Die gemeinsame Regierung von Schleswig und Holstein misslang, sodass im Jahre 1865 der Landesteil Schleswig unter preußische und der Landesteil Holstein unter österreichische Verwaltung gestellt wurde.
Schon im darauf folgenden Jahr 1866 zog Preußen unter Ministerpräsident Bismarck erneut in den Krieg, diesmal gegen den vormaligen Verbündeten Österreich. Militärisch waren die Preußen den Österreichern klar überlegen. So schaltete Preußen in der Schlacht von Königgrätz seinen größten Konkurrenten schließlich erfolgreich aus und vertrieb die Österreicher endgültig aus den Gebieten nördlich der Elbe. So wurde ganz Schleswig-Holstein preußische Provinz.
Ulrich Barkholz

Der Bericht wird fortgesetzt.

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