Dittloff vergrößert: Familiengeschäft

Es ist keine Sensation, aber ein außergewöhnliches Ereignis. Denn Ulle Dittloff, der einzige Blasinstrumentenbaumeister nördlich des Kanals nimmt seine Tochter Bente in sein Geschäft. Dadurch soll der Betrieb erweitert und seine Zukunft familiär gesichert werden.
Die musikalische Karriere von Ulle Dittloff (56) begann im Feuerwehrmusikzug von Willingshusen in der Nähe von Hamburg. Bereits mit zehn Jahren spielte er dort Posaune. Aus diesem Interesse zur Blasmusik entwickelte sich die Liebe zum Instrumentenbau. Nach der Schule begann er eine Lehre als Blech- und Schlaginstrumentenmacher. 1989 wurde er darin Meister. Er arbeitete in mehreren Betrieben Süddeutschlands, bis er vor ziemlich genau 30 Jahren mit seiner Familie und seinen Eltern nach Struxdorf zog. Dort eröffnete er eine eigene Werkstatt.
Seine Kundschaft kam aus Feuerwehrorchestern und Posaunenchören aus ganz Schleswig-Holstein. Er baute eigene Flügelhörner. Aber die Basis seines Betriebs waren Reparaturen. Er beulte Trompeten aus, verringerte das Ventilspiel, bog Posaunenzüge gerade und bespannte Kesselpauken neu. „Davon konnten wir damals gut leben“, erinnert er sich.
Doch dann wurde das Geschäft dünner. Industrielle Ware war beim Neukauf billiger als eine Generalüberholung. Und es gab Konkurrenz aus Hamburg, die für ganz Schleswig-Holstein einen Hol- und Bringedienst für Instrumente einrichtete. Auch nahm die Zahl der Musiker in Blasorchestern ab. Die Einnahmen gingen so weit zurück, dass Dittloff als LKW-Fahrer dazuverdienen musste. Daraus entwickelte sich das Gerücht, dass er seine Werkstatt komplett geschlossen habe. Aber neue Werbemethoden und das wieder aufkeimende Interesse an Blasmusik ließen die Aufträge jetzt wieder anwachsen.
Und dann kam seine Tochter Bente (27) mit dem Wunsch zur Zusammenarbeit.
Dittloff jüngste Tochter hatte sich bereits früh für die Reparatur von Blasinstrumenten interessiert. Sie lernte in Berlin den Beruf des Holzblasinstrumentenbauers. 2016 beendete sie die Lehre und arbeitete lange Zeit in Pinneberg. Dann trat sie mit dem Wunsch zur Zusammenarbeit an ihren Vater heran.
„Das war für mich wie ein Ritterschlag“, gibt Dittloff zu. Denn er habe nicht um ihre Hand angehalten, sondern sie um seine. Das gäbe es nicht oft in Handwerksbetrieben und Familien.
Und Bente will auch Verantwortung übernehmen. Zurzeit ist sie noch Angestellte und sieht eine Weiterentwicklung zum Meister nicht als Notwendigkeit. „Aber auf lange Sicht möchte ich mich als Geschäftsführer oder Mitinhaber am Geschäft beteiligen“, sind ihre Pläne. Aber sie hat natürlich die Hoffnung, dass ihr Vater noch lange mitarbeiten werde.
Da Vater und Tochter jetzt den ganzen Instrumentenbereich eines Blasorchesters abdecken, haben sie sich entschlossen, in ihrem Haus in der Hardeseiche von Hollmühle eine Kombination aus Werkstatt und Verkaufsraum einzurichten. „Wenn die Kunden jetzt hereinkommen, sehen sie, dass wir alles selber machen“, erklärt Dittloff.
Für die Zukunft setzt der Familienbetrieb auf mehr Akquisition und Werbung. Auch ist ein Transportdienst für Instrumente eingerichtet.
Neben Reparaturarbeiten soll die Veredelung alter Instrumente im Vordergrund stehen. „Viele Menschen werfen ihre alten Instrumente weg“, hat Dittloff festgestellt. Deshalb wollten sie solche Instrumente preiswert ankaufen, überarbeiten und dann zum Kauf anbieten. Klarinettenholz sei zurzeit nur zertifiziert zu kaufen und sehr teuer. Deshalb seien alte Klarinetten inzwischen sehr wertvoll. „Und sie klingen einfach besser, als die neuen Plastikmodelle“, meint Dittloff.

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