Aus dem Herzen: Pflegebedürftigkeit

Ehre die Alten, verspotte sie nie. Sie waren wie du und du wirst wie sie (deutsches Sprichwort).
Wir alle möchten in Würde alt werden. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter diesem Wunsch? Ist es heutzutage noch ein realistischer Wunsch?
In den Medien hören wir es immer wieder und häufiger: Pflegepersonal wird dringend gesucht! Was es wirklich bedeutet, Menschen zu pflegen, wissen wir meist erst, wenn wir selbst mit dem Thema konfrontiert werden. Meine Omi ist mittlerweile stolze 92 Jahre alt. Bis vor sechs Jahren war sie, wie es so schön heißt, ihrem Alter angemessen gesundheitlich gut davor. Dann ereignete sich im Januar 2013 ein Vorfall mit einem Hund. Omi kämpfte sich, durch diverse Operationen, drei Monate zurück ins Leben. Nun ist sie ein Pflegefall nach Stufe 1 (wie es früher eingestuft wurde).
Vor knapp sechs Wochen brach sie sich den Oberschenkelhalsknochen. Nach zwei Wochen Reha kommt meine Omi auf eigenen Wunsch nach Hause. Für sie zählt einzig und allein ihr Zuhause. Verständlich, geht es doch vielen Menschen in ihrem Alter so. Für die Angehörigen, welche einen Großteil der Betreuung und Verpflegung auffangen müssen, macht es die Arbeit nicht leichter.
Ich habe diese Thematik immer aus der Ferne betrachtet und mitbekommen, wie meine Mutter, Tante und Cousine sich kümmern. Oder wie Freunde von uns ihren Eltern oder einem Elternteil helfen, so gut und soweit es in ihren Möglichkeiten liegt. Und selbst das ist nicht immer leicht, fühlen sich die helfenden Nahestehenden häufig so, als wäre alles Geleistete nicht ( gut ) genug.
Doch manchmal werden wir gezwungen, uns mit dem Thema Pflegebedürftigkeit direkt auseinander zu setzten. Für mich selbst war es vor fünf Jahren der Fall. Durch eine fehlgeschlagene Rückenoperation konnte ich fast nichts alleine. Meine Mutter musste mich wieder waschen. Mit 36 Jahren! Ich fühlte mich dermaßen hilflos; war zugleich aber froh, dass sich ein mich liebender und bekannter Mensch um mich gekümmert und gepflegt hat. Das Glück hat nicht jeder!
Meine Freundin ist in dem Beruf der Pflege tätig. Eine zierliche Person, die halbtags und auch am Wochenende mit Herzblut diesen Beruf ausübt. Von ihr weiß ich, dass zum Pflegen nicht nur „das Pflegen“ an sich zählt. Dazu gehört auch Zuhören, Medikamente geben und teilweise beim Arzt oder der Apotheke abholen. Die Körperhygiene, das Einkaufen, Gespräche führen und „einfach“ da sein. Doch Einfach ist nicht immer einfach und Zeit, welche durch die Krankenkassen pro Patient vorgegeben ist, erst Recht nicht unbeschränkt vorhanden.
Freunde von uns gerieten im August in einen Engpass. Urlaub war gebucht; die Mama krank. Sofern es im Bereich meiner Möglichkeiten lag, bot ich Hilfe an. Mal ein Essen kochen; das bekomme ich hin. Wie einfach gedacht! Als ich mit dem Essen anrollte erwarteten mich natürlich noch weitere Aufgaben, die erfüllt und erledigt werden mussten. Aufgaben des täglichen Lebens. Für uns normal und eine Selbstverständlichkeit. Nicht jedoch für die Pflegebedürftigen.
Von diesem Tag an ziehe ich erst Recht den Hut vor den Menschen, die in der Pflege tätig sind. Ich hoffe, dass es später, sollte ich auf die Hilfe von Pflegekräften angewiesen sein, noch eben solche gibt, die diesen Beruf als Berufung sehen. Chapeau!
Herzlichst, Stefanie Merkel

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