Aus dem Herzen

Zum 24. Dezember 1890
von Theodor Fontane
Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm‘ ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte –
Rechnet sich aus all dem Braus
Doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.

Liebe Leserinnen und Leser, die Weihnachtszeit naht, doch können wir diese tatsächlich noch genießen? Oder hetzen wir nur von Kaufhaus zu Kaufhaus, auf der Suche nach DEM Geschenk? Ist unser Terminkalender (über)voll mit Terminen und Verabredungen? Kommen wir nirgendwo mehr wirklich an, weil wir im Kopf bereits drei Schritte weiter sind, denn es gilt noch Etliches zu erledigen und besorgen? Wo bleibt die Besinnlichkeit? Sehen wir tatsächlich mit den Augen und fühlen unser Herz erwärmt, wenn wir einen Weihnachtsmarkt besuchen, dort Freunde und Bekannte treffen? An einem Becher unsere Hände wärmen und dazu eine Bratwurst essen; sehen wir wirklich die weihnachtlichen Lichter blitzen? Den Schmuck, welcher die Fußgängerzonen ausstaffiert? Sind wir ganz bei unserem Gesprächspartner oder schon im Kopf bei der nächsten Liste? Ist das eine Form von Weihnachten? Ich bin dieses Jahr sehr früh fertig gewesen mit allen Besorgungen. Mir hat es Freude gemacht, für meine Lieben Kleinigkeiten zusammen zu tragen, diese hübsch zu verpacken und ich bin gespannt und voller Vorfreude bei der Vorstellung ihrer Gesichter, wenn alle unter dem Baum ihre Pakete öffnen. Wie Mark Twain sagte: Der beste Weg, sich selbst eine Freude zu machen, ist, zu versuchen, einem anderen eine Freude zu bereiten. Ist das nicht auch eine Form von Weihnachten?
Als ich für meine Karten nach passenden Weihnachtsgedichten suchte, stieß ich unter anderem auf das von Theodor Fontane. Weihnachten 1890! Da waren es wohl eher andere Gedanken, welche sich die Menschen zu dieser Zeit um das Fest der Liebe gemacht haben. Mich haben diese Zeilen nachdenklich gestimmt und mir wegen einiger persönlicher Unzufriedenheiten den Kopf etwas zurecht gerückt. Nachdenken. In sich hinein horchen. Auch eine Form von Weihnachten?
Ich fühle mich gerade dieses Jahr in meine Kindheit zurück versetzt. Meine Freundin hat mich mit einem Adventskalender überrascht. 24 Päckchen lächeln mir entgegen und warten nur darauf, endlich geöffnet zu werden. Wie ein kleines Kind schleiche ich um diesen Kalender, fühle mal hier und schüttle mal dort. Egal, was darin enthalten sein mag, ich bin glücklich, weil es einen Menschen gibt, der an mich gedacht und mich mit solch einer Überraschung bedacht hat! Das ist für mich eine von vielen Formen von Weihnachten!
Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich eine besinnliche und bewusste Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in ein gesundes und zufriedenes neues Jahr!
Herzlichst, Stefanie Merkel

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