St.-Johanniskirche: Sanierung bald abgeschlossen?

Schon seit mehreren Monaten ist die Sankt Johanniskirche von Thumby wegen Sanierungsarbeiten für den Publikumsverkehr gesperrt. Zwischenzeitlich war auch einmal ein Gerüst aufgestellt. Dieses wurde einigen Wochen abgebaut. Und danach häuften sich die Anfragen bei Pastor Christoph Tischmeyer, ob die Sanierungsarbeiten abgeschlossen seien
und ob man vielleicht schon zu Weihnachten wieder dort Gottesdienst feiern könne. Doch das Innere der Kirche widerspricht diesen Hoffnungen. Sie ist leer. Das gesamte Kirchengestühl ist ausgebaut, ein Teil des Fußbodens aufgenommen und Altarraum, Kanzel sowie Orgel sind hinter Abdeckungen verschwunden. Und aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Gerüst abgebaut, da das preiswerter ist, als es bis zum Beginn der eigentlichen Arbeiten im April stehen zu lassen. Die Geschichte der Sanierung beginnt bereits im Jahre 2008. Schon damals wurden Schäden am Dachstuhl festgestellt. „Zu diesem Zeitpunkt wurde erstmals ein Antrag beim Kirchenkreis gestellt“, erinnert sich Pastor Tischmeyer. Doch damals hätten die notwendigen Mittel gefehlt. 2014 habe man zumindest das Dach über dem Chor (Altarraum) inklusive der Dacheindeckung neu machen können. „Doch es war klar, dass der zweite, größere Bauabschnitt im Hauptschiff später ausgeführt wird“, fährt Tischmeyer fort. 2018 kam dann das Signal vom Kirchenkreis, dass die Maßnahme unterstützt werde. Im November und Dezember
2018 untersuchte der Architekt des Kirchenkreises gemeinsam mit einem örtlichen Architekturbüro die Schäden und bezifferten die Sanierungskosten auf 200 000 Euro. Doch bei einer genauen Untersuchung mit einer Öffnung der Traufbereiche über ein Gerüst verdoppelten sich diese ersten Rechnungen. Denn erst jetzt konnte man feststellen, dass Balkenköpfe und Sparrenfüße durch verschiedene Arten von Pilz oder Insekten an einigen Stellen bis zur absoluten Auflösung angegriffen waren. Auch wurde an zwei Stellen Schwammbefall entdeckt. Ein Grund war die Undichtigkeit des Daches, da Ziegel verwendet wurden, die regelmäßig mit Putz hätten verstrichen werden müssen. Auch hatte sich der Kirchenboden an einer Stelle gesenkt und die Wand war an dieser Stelle feucht. Grund dazu war das in Jahrhunderten angehäufte Erdreich an der Nord- und Westwand der Kirche. „Das Außengelände ist dort 40 Zentimeter höher als der Kirchenboden“, erklärte Kirchenkreisarchitekt Kay Pintat-Witt. Die vorhandene Dränage sei funktionsuntüchtig, da sie verstopft und zerbrochen sei. „Der Fundamentgraben ist sozusagen eine große Badewanne, deren innerer Rand tiefer liegt als der äußere“, verdeutlichte er den Zusammenhang. Dadurch könne das Wasser nur nach innen versickern. Und das habe zu einer etwa zehn Quadratmeter großen Absenkung des Fußbodens im Innenraum geführt.„Zuerst werden wir die Dränage und somit den Regenwasserabfluss erneuern und außen das Gelände tiefer legen als die Oberkante des Ziegelbodens“, beschreibt der Architekt die Maßnahmen. Der Ziegelboden werde aufgenommen, mit Sand aufgefüllt und wieder neu verlegt. „Das hat man früher so gemacht und es ist auch wartungsfreundlich“, begründet Pintat-Witt die Maßnahmen. Die Sanierung des Dachstuhls werde da wesentlich aufwendiger.Zuerst müsse die Verkleidung des Innenraums durch einen Restaurator abgenommen werden. Hier gelte es vor allem die beiden Deckengemälde August Olbers zu sichern. „Erst dann wird die Dacheindeckung mit Ziegeln, Sparren und Balken entfernt und am Boden saniert“, fährt Pintat-Witt fort. Danach werde das sanierte Dachgebinde wieder aufgebaut und das Dach neu gedeckt.Dazu werden die wartungsfreien Tonziegel verwendet, mit denen schon der Chor gedeckt wurde. Zuletzt wird die Holzverkleidung der Decke wieder angebracht. „Die Arbeiten können im April beginnen“, verrät der Kirchenkreisarchitekt. Bis dahin habe man genügend Zeit für die Planung, Förderanträge und Ausschreibungen. Das Gerüst würde dann auch wieder aufgebaut. Die errechneten Kosten der gesamten Sanierung liegen inzwischen bei rund 400 000 Euro. Davon wird der Kirchenkreis mehr als die Hälfte übernehmen. Ein Teil kommt aus den Rücklagen der Kirchengemeinde Thumby-Struxdorf und 100 000 Euro erwartet man von verschiedenen Stiftungen. Auf die Frage, wann die Kirche wieder genutzt werden könne, antwortet Pastor Tischmeyer verschmitzt: „Wir hoffen auf Weihnachten – allerdings erst im Jahr 2020.“
Claus Kuhl

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