Soziales Leben in Corona-Zeiten: Gelassenheit trotz Krise

Auch in Schnarup-Thumby hat das Coronavirus das soziale Leben verändert. Durch Kurzarbeit, Home Office und Isolation sind weniger Menschen unterwegs. „Es ist weniger Verkehr und man sieht Spaziergänger auf den Gemeindewegen, die sonst kilometerweit fahren, bevor sie ihre Beine bewegen“, hat Bürgermeister Andreas Bonde festgestellt. Auch Schietsammler könne man beobachten, die den ausgefallenen Gemeindetermin durch Einzelaktionen ersetzen. Aber alle halten sich an die Vorschriften.
Verkehrsgeräusche stammen überwiegend von Traktoren. Die gehören einmal zu den Landwirten, die nach einer langen Regenperiode wieder auf die Felder können. Zum anderen sind es Holzwerber, die ihr Brennmaterial für den übernächsten Winter nach Hause holen. Dieser Sound wird ergänzt durch Motorsägengeräusche aus diversen Carports und Rasenmäherknattern. Jeder nutzt die Zwangspausen durch Corona, um
notwendige Arbeiten zu erledigen. Die Gärten bekommen eine Menge Zuwendung. Und viele Dinge drinnen oder draußen erhalten einen neuen Anstrich. Der Dörpskrog ist geschlossen. Allerdings bietet René Hamburger, Pommes, Currywurst und Ähnliches zum Abholen an. Insgesamt ist die Lage gelassen. Denn die Dörfler, deren Einkaufsmöglichkeiten normalerweise schon kilometerweit entfernt sind, haben sich an Vorratshaltung gewöhnt. Toilettenpapier ist auch für die nächsten Wochen im Haus. Und ob man dem älteren Nachbarn etwas vom Einkaufen mitbringen soll, hat man früher auch schon gefragt.
Was fehlt, sind die dörflichen Fixtermine, zu denen jeder kommt und bei denen jeder
jeden kennt. Osterfeuer, Frühlingsliederabend, Maibaumaufstellen, Zeltfest und
Kinderfest sind abgesagt. Das 50-jährige Dorfjubiläum ist noch in der Schwebe. Sport ist komplett gestrichen. Und Geburtstag wird auch nicht mehr gefeiert. Kommuniziert wird über die Straße – aber immer häufiger per WhatsApp. Neben dörflichen Neuigkeiten sind Coronawitze am beliebtesten.
„Am schwierigsten ist es, den Kindern die Situation zu erklären“, verrät Steffi Thomsen, die mit Ehemann Arne, den Schwiegereltern Helga und Peter sowie den Kindern Lene (1), Jara (5) und Tarje (6) im Feldweg lebt. Diese eigentlich recht praktische Familiensituation erweist sich jetzt als Manko. Denn die beiden Senioren gehören zur Hochrisikogruppe und sollen deshalb wenig Kontakt zu Kindern und Enkelkindern haben. „Ansonsten haben wir es besser als die Kinder in der Stadt“, fährt Mutter Steffi fort. Denn in Schnarup-Thumby könnten die Kinder wenigstens morgens und nachmittags draußen spielen.
In der Zeit der Mittagsruhe, wenn Lene schläft, machen die „Großen“ Hausaufgaben. Denn sowohl Erstklässler Tarje wie Vorschulkind Jara erhalten von ihren Pädagogen Hausaufgaben, damit das Gehirn während der Coronakrise nicht einrostet. „Und später im Jahr können wir vielleicht das Kinderfest in abgespeckter Form sowie die vielen ausgefallenen Kindergeburtstage nachholen“, malt Steffi Thomsen einen Silberstreif an den Horizont.
Claus Kuhl

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*

code