Bevor das Wasserwerk kam: Wasser in Haus und Hof (Teil 2)

Und dieses System löste bei unserer Familie die Handpumpe ab. Ich denke das kann 1937/38 gewesen sein. Im Keller wurde eine EDUR-Kreiselpumpe installiert mit einer ca. 15 Meter langen Saugleitung vom Brunnen her. Das Wasser wurde in den Druckkessel nebenan gepumpt. Bei einem bestimmten Druck schaltete sich die Pumpe ab, um bei einer Untergrenze wieder anzuspringen. Die Pumpe war recht laut. Daran gewöhnten sich aber bald alle im Hause.
Aus dem Druckkessel stieg das Wasser in die Verbrauchsleitung. Der Hauptwasserhahn befand sich in der Waschküche, ein zweiter am Futtergang im Schweinestall und ein Dritter an der Hausweide für die Viehtränken. In der Waschküche noch das kleine gemauerte Bassin, das mit einem Schwimmerventil aus der Druckleitung gespeist wurde. Von hier aus gelangte das Wasser in die Selbsttränkeschalen der Rinder – zwölf an der Zahl für 24 Plätze. Welch ein Fortschritt: Wasser kommt aus der Wand!
Die Anlage war geliefert und hergestellt von Nicolaus Petersen, Dorfstraße 5, Schmied seines Zeichens. Er hatte selbst eine ähnliche Anlage. Im Keller von Dorfstraße 6 – sein Name steht noch heute über der Tür – befanden sich Pumpe und Druckkessel. Die Leitung ging durch die Straße zum anderen Haus, Dorfstraße 5. Auch das Tischlerhaus, Dorfstraße 7, war an dieses System angeschlossen.
Anlagen dieser Art fanden sich in vielen landwirtschaftlichen Betrieben so in der Zeit von 1930 bis 1939 installiert.
Es ist jetzt über die Schule zu berichten. Das war eine Anlage eigener Art. Beim Bau der Schule in Thumby 1911 wurde auf dem Hochboden ein Wasserbassin aus Eisenblech eingebaut – vielleicht zehn Kubikmeter Inhalt. Von diesem Bassin führten Leitungen in die tiefer gelegenen Lehrerwohnungen. Zur Befüllung gab es im Keller eine Flügelpumpe in Arbeitshöhe, mit der Hand zu bedienen. Eine der Strafen im Schulbetrieb war es, die großen Jungs in den Keller zu schicken und ihnen 300 Schläge mit der Pumpe aufzubrummen. Denn oben war wohl oft Ebbe.
Dieses System führte auch zu Spannungen zwischen den Lehrerfamilien. Noch zu meiner Schulzeit hier, 1940 bis 44, war der Behälter in Funktion. Ich vermute, dass die Schule in den fünfziger Jahren zu einer elektrischen Wasserversorgung kam – wohl dann als die Toiletten im Keller der Schule eingebaut wurden. Da brauchte man wegen der WCs und Waschbecken eine bessere Wasserversorgung. Der Brunnen ist mir nicht bekannt.
Bis dahin gab es das alte Toilettenhaus, noch heute als Anbau am Feuerwehrgerätehaus zu erkennen. Damals stand es alleine dort. Es war über einer Sickergrube gebaut. Einen Wasseranschluss gab es nicht. Es enthielt im Westen eine Reihe Mädchentoiletten, in der Mitte waren die Jungs und im Osten waren drei Toiletten für die Lehrerfamilien. Heinrich Lausen, der letzte Schulleiter, nannte das Haus: Klein Schnarup! Die neuen Toiletten in dem Keller der Schule waren dann auch wirklich kein Luxus.
Ich habe weiter zu berichten über die alte Wasserversorgung mit dem Widder, eine Technik die um 1900 angewandt wurde. Ich kenne die Widderanlage seit meiner frühesten Jugend. Diese Einrichtung versorgte das Gehöft Bruhn (Dorfstraße 2) mit Quellwasser. Da hatte um 1900 Berend Bruhn südlich des Pastorats eine Quelle erbohrt. Die Quelle wurde dann in einem gemauerten Schacht aufgefangen und erreichte darin eine Höhe von ca. 1,20 Meter über der Erde. Von hier führte eine starke Leitung in den unterirdischen Schacht, ca. 1,50 Meter tief unter der Erde, ca. acht Meter entfernt. Hier war die Technik eingebaut: ein Windkessel und die nötigen Ventile. Der Widder hatte seinen Takt, den das Stoßventil verursachte. Jeder Stoß förderte eine geringe Menge Wasser in Windkessel und Steigrohr. Die viel größere Menge Arbeitswasser floss ab in Richtung Au. Mir wurde einmal das Verhältnis 96:4 genannt und die vier Liter kamen durch eine Rohrleitung ca. 400 Meter lang in das Wasserbassin oben in der Scheune Bruhn. Von dort lief die Verteilung in Wohnhaus und Stallungen. Diese Anlage lief bis ca. 1960, als der Hof Bruhn an das Netz des Verbandes angeschlossen wurde.
Nur 150 Meter östlich vom Bruhn-Widder befand sich eine ähnliche Anlage, die ich aber nicht mehr in Funktion gesehen habe. Aber sie wurde wohl um die gleiche Zeit erbaut. Auch hier ein Quellbrunnen, der noch heute läuft und daneben ein Widderschacht in der Erde für die Technik, die zu meiner Zeit schon nicht mehr vorhanden war. Diese Anlage versorgte die Meierei in Thumby mit Wasser. Sie wurde schon nach kurzer Zeit wieder aufgegeben – vermutlich weil das Wasser einen hohen Ockergehalt hatte. Vielleicht war auch die Menge nicht ausreichend.
Hans Konrad Sacht

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