Wozu so Manches doch gut sein kann: Fuchs trägt Rasierwasser

Wozu so Manches doch gut sein kann, was nicht weggeworfen wurde, ab und zu hin- und hergeräumt wurde, erstmal beiseite gestellt wurde, zu anderen Dingen, die auch nicht mehr benutzt werden, denn … irgendwann kann man es ja vielleicht doch noch gebrauchen!
Wir haben Hühner, eine muntere Schar von 15 Hühnern, die meisten schon ziemlich alt, so wie der Hahn, der schon keine richtigen Schwanzfedern mehr hat. Er ist zwölf Jahre alt, aber er kräht noch. Vier Hühner sind jung, gerade mal vor ein paar Wochen neu dazu gekauft. Seitdem geht es dem Hahn richtig gut, auch die Federn sind etwas nachgewachsen.
Aber eins der neuen Hühner hat vor ein paar Tagen einen Riesen-Schock bekommen. Am hellichten Tag, nein sowas, hört mein Mann bei den Hühnern ein aufgeregtes Gekakel und Geschrei und ein Geflatter, eilt zum Hühnerhof und sieht doch tatsächlich, wie ein Fuchs mit einer der jungen Hennen im Maul Richtung Umzäunung verschwindet. Dahinter ist das Rapsfeld, eine perfekte Deckung für den Raubzug. So ein Ärger! Natürlich hat auch ein Fuchs Hunger, sicher nun seine Jungen zu versorgen, und so ein Huhn ist ein besonderer Leckerbissen. Die Lücke im Drahtzaun ist schnell gefunden. Gar nicht mal so groß. Der Fuchs muss sich richtig drunter durchgequält haben! Eine auf dem Stallboden vorhandene Falle wird aufgestellt, mit einem Stück Grillfleisch versehen und in der Nähe des Zauns aufgestellt. Das Loch wird geschlossen. Abends beim Schließen des Hühnerstalls und zählen der Hühner stellt mein Mann fest: Alle Hühner sind da! Eins der jungen sieht etwas zerrupft aus, ist aber heil und munter. Der Fuchs hat es nicht durchs Loch ziehen können, er hatte es eilig, weil er ja entdeckt wurde und so hat er sich ohne seine Beute davongemacht. Und das Huhn hatte Glück. Ich dachte: Der arme Fuchs hat nun kein Futter zu seinen Kindern gebracht. Er kommt bestimmt zurück, wenn die Luft rein ist, versucht es noch einmal, sieht, dass er nicht mehr ins Hühnergehege kann und riecht das Fleisch, zack, ist er gefangen!
Was passiert dann mit ihm? Wird er totgeschossen? Ich glaube nicht; wir werden dem Jäger Bescheid geben müssen. Der bringt ihn dann weit weg. Wenn der Fuchs Junge hat, darf er nicht geschossen werden. Aber, den ganzen Ärger kann man sich vielleicht sparen. Wenn er wiederkommt und etwas riecht, was ihm unheimlich ist, dann kehrt er vielleicht sofort wieder um, was kann man da tun …
Da kommt der Geistesblitz: Das alte Rasierwasser! Ich hole es, schraube die Flasche auf, ja, es riecht noch sehr stark. Am ganzen Gartenzaun entlang, am Hühnerhof entlang, spritze ich das Wässerchen aus, nicht zu viel auf einmal, es soll ja reichen, aber besonders viel dort um den Tatort herum. So. Hoffentlich hält es den Fuchs von jedem weiteren Raubversuch ab, und vor Allem, lässt ihn nicht in die Falle gehen! Ich hab mein Bestes getan. Ein wenig Rasierwasser ist noch in der Flasche. Ich stelle sie in den hinteren Flur. Oh, meine Hände riechen furchtbar. Sogar nach mehrmaligem Abseifen ist der Geruch noch da. Wenn das nichts hilft! Es wird sicher da draußen auch lange ein Rasierwasserduft am Gras haften bleiben, wenn es nicht regnet. Und das tut es momentan nicht. Aber ein kleiner Rest ist noch in der Flasche.
Ich stelle mir vor, wie Reineke wiederkommt, es ihm sehr unheimlich ist, und wie er mit einem sehr fremden Duft behaftet zurück in seinen Bau kommt. Vielleicht wird er da nicht sofort fröhlich empfangen, denn Fuchs trägt Rasierwasser!
Die Falle bleibt tatsächlich unberührt und landet wieder auf dem Scheunenboden.
Und das Loch im Zaun ist geschlossen. Aber spätere Fuchsbesuche sind ja nicht ausgeschlossen. Und dann hat er wohl seine Jungen groß bekommen.
Herta Andresen

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