Bevor das Wasserwerk kam: Wasser in Haus und Hof (Teil 4)

Hans-Heinrich Drews (Jahrgang 1932) berichtete, dass er sich an die Umstellung von der Handpumpe auf das Druckkesselsystem gut erinnern konnte. Das war zu Beginn des zweiten Weltkriegs. Denn es bedurfte eines „Bezugsscheines“ von der Gemeinde. Und der Lieferant der Anlage erhielt einen halben Schinken in natura. Dabei ging es um die Wasseranlage in seinem Elternhaus.
Das Wasser des Verbandnetzes wird seit 1960 regelmäßig auf viele Werte untersucht. Wie es vorher war, das wissen wir nicht. Bei den Brunnen, die in unmittelbarer Nähe beim Haus oder Gehöft lagen, bei Brunnen, die nur flach waren, kann es aus heutiger Sicht nicht dem Trinkwasser entsprechen. Mit Sicherheit waren die Quellwasser der Widder oder der Schnaruper Anlage als besser einzustufen.
Das Jahr 1959 war ein sehr trockenes Jahr und so waren viele Hausbrunnen ohne Wasser. Da hatte unser Dorf etwas Glück, da der erste Tiefbrunnen des künftigen Wasserwerkes schon erbohrt war. Und es bestand eine Leitung zur Meierei. Diese Anlage war im Vorgriff auf das künftige Netz gebaut worden, da die Meierei auf eine ausreichende Versorgung angewiesen war. Diese Kosten trugen die Meierei und die beiden Gemeinden zu je einem Drittel, ich meine 40.000 D-Mark für jeden Anteil.
Diese Versorgung der Meierei war 1959 fertig. So bestand die Gelegenheit für die Menschen, die kein Wasser mehr hatten, sich hier nach der Betriebszeit, so ab neun Uhr, Wasser zu holen. Das betraf vor allem landwirtschaftliche Betriebe, deren Viehbestand erhebliche Mengen Wasser brauchte. Ich weiß, dass der Hof Thumby-Hassel dazu gehörte. Auch aus Struxdorf kamen Wasser-Holer. Auch unser Betrieb musste Wasser fahren. Ich hatte dafür eine saubere Jauchetonne mit 800 Liter Inhalt. Diese 800 Liter ließen wir über einen dicken Schlauch in den Brunnen laufen, von wo die Elektropumpe das Wasser in den vorhandenen Druckkessel pumpte. Ich erinnere genau, dass wir am 23. Dezember 1959 zum letzten Mal Wasser fuhren. Dann hielt der Brunnen wieder durch. Die Betriebe mit Quellwasser über Widder oder in Schnarup waren hier nicht betroffen.
In diesem Bericht habe ich versucht, festzuhalten, wie es in unserem Dorf vor 1960 aussah, wie mühevoll die Versorgung mit Trink– und Brauchwasser war. Bei jedem Wohngrundstück, bei jedem Gehöft war die Frage der Wasserversorgung die Grundlage der Besiedlung. Mit der Einrichtung des öffentlichen Wassernetzes sind diese Arbeitsbilder in Haus und Hof weitgehend vergessen.
Kennen Sie noch den alten Schlager von 1960?

Wasser ist zum Waschen da,
falleri und fallera.
Selbst zum Zähneputzen
kann man es benutzen.
Wasser braucht das liebe Vieh,
fallera und falleri.
Auch die Feuerwehr
benötigt Wasser sehr.

Mit dem öffentlichen Netz stieg auch der Wasserverbrauch pro Kopf erheblich an. Die Versorgung war die Voraussetzung für viele Haushaltsgeräte, für Dusche und WC bis hin zu den Selbsttränken für das liebe Vieh. Und die Feuerwehr erhielt die große Zahl der Hy­dranten. Das Lied hat vollkommen Recht.

Hans Konrad Sacht (Ende dieses Chronikberichts)

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