Gedanken an den Weihnachtsstern: Wir haben den Kometen gesehen!

Lange schon konnte man Fotos bewundern, die den Kometen mit dem Schweif zeigten. In der Presse, im Fernsehen und im Internet gab es genug Infos. Aber selber hinausgehen, ihn am Himmel suchen und mit eigenen Augen finden, das wollte ich unbedingt. In diesen Tagen nun sollte er unserer Erde am nächsten kommen.
Neowise hatte man ihn genannt. Ein Brocken von 5 Kilometer Durchmesser. Irgendwie unvorstellbar, diese Entfernung, 103 Millionen Kilometer weit weg von uns hier auf der Erde. Dass er trotzdem zu sehen war – sehr spannend. Für eine gute Sicht brauchte man aber klaren Himmel und dann noch den Willen, mitten in der Nacht dafür aufzustehen.
Gestern Abend sollte er schon um kurz nach 23 Uhr gut zu sehen sein. Einige Wolken waren im Norden zwar unterwegs, na gut, vor dem Zu-Bett-Gehen kann man ja nochmal gucken, dachte ich. Dunkel genug sollte es dann wohl sein. Um an den nördlichen Himmel zu schauen,
mussten wir durch den Garten zum Rapsfeld gehen. Sonst würden uns die hohen Bäume die Sicht verdecken. Der Horizont zeigte sich in herrlich türkis-grünlichen Farben mit viel goldenem Licht und dunkelgrauen Wolkenfetzen dazwischen.
Ein so schöner Anblick, aber dunkel genug war es eigentlich nicht und der Große Wagen war auch noch nicht zu sehen. Oh ja, da! Ein helles Objekt – die Richtung müsste doch stimmen!
Ich schaute durchs Fernglas, interessant, das Ding, aber einen Schweif sah ich nicht. Lag es daran, dass es noch zu hell war? Sollte das Neowise sein? Mein Mann meinte, es könnte sein oder auch nicht. Vielleicht eher die Raumstation oder ein Satellit. Richtig zufrieden war ich nicht.
Wir gingen wieder ins Haus und dann zu Bett. Ich konnte nicht schlafen Es ließ mir keine Ruhe. Also nochmal nach draußen. Mein Mann schlief schon. Hu, war das kalt, so im Nachthemd da vor der Hintertür zu stehen! Die Scheune versperrte die Sicht auf den Horizont, aber der Große Wagen war ganz deutlich und hell zu sehen. Ich ging zurück ins Schlafzimmer, sagte meinem Mann Bescheid, dass ich nochmal nach dem Kometen sehen wolle. Er meinte, ich solle doch auf die Außentreppe gehen, von da oben müsste ich eine gute Sicht haben. Es hörte sich aber nicht so an, als würde er auch Interesse zeigen. Ich zog mir meine Jogginghose an, den Anorak übers Nachthemd und schlüpfte barfuß in die Gartenschuhe. Dann schnappte ich mir nochmal das Fernglas und drückte vorsichtshalber auf den Schalter für die Außenbeleuchtung, um nicht auf der Treppe zu stolpern.
Dann stand ich oben. Der Große Wagen war deutlich zu sehen – der Himmel voller Sterne. Mit bloßem Auge fand ich den Kometen nicht. Aber durchs Fernglas schauend, am unteren Teil
des Großen Wagens entlang suchend, etwas rechts davon und ein wenig unterhalb – da! Neowise, mit dem Schweif, sehr deutlich zu sehen! Ach wie schön! Ein für mich richtig bewegender Anblick. Ich musste an den Weihnachtsstern denken. Mir wurde irgendwie ganz anders, Ich dachte, dass ich das nie vergessen würde und auch nie wieder sehen könnte, denn erst in 7000 Jahren würde er hier wieder vorbeikommen. Ob es dann unsere Erde noch geben würde? Ob es überhaupt noch Menschen gäbe, und was dann wohl wäre?
Mein Mann kam nun doch noch die Treppe hoch, nur im Schlafanzug und mit Hausschuhen an den Füßen, nahm mir das Fernglas ab und schaute auch und staunte. Dass wir das zusammen erleben konnten, war etwas Besonderes. Wir haben ihn gesehen, den Neowise, mit eigenen Augen!
Herta Andresen

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