September-Gedanken: Nüsse knacken

Ich bin dabei, die letzte Schale mit der vom Vorjahr geernteten Haselnüssen so nach und nach „leer zu knacken“. Jeden Morgen knacke ich eine kleine Handvoll Nüsse, die wir zu unserem Müsli essen. Ein Phänomen: die kleinsten bleiben immer zurück, ich greife zuerst nach den größeren Nüssen. Sie lassen sich leichter knacken, vielleicht ist das der Grund. Irgendwie leuchtet es mir aber nicht ein, scheint aber zu stimmen, denn warum sonst hab ich zuletzt nur noch die kleinsten Nüsse in der Schüssel liegen? Tu ich es aus Gewohnheit? Wohl eher aus Bequemlichkeit! Ab sofort mach ich es anders, nun werden vom linken Rand der Schüssel her die Nüsse so weggenommen wie sie da liegen, ohne Ansehen der „Nussperson!“
Interessant ist es wie verschieden sie sind. Genau das hab ich beim Nüsse pflücken letztes Jahr schon wahrgenommen, und nun denke ich erneut darüber nach. Der Nussknacker hat zwei Aussparungen, eine kleinere und eine größere so dass am oberen Ende des Nussknackers sogar die kleinsten hineinpassen. Aber diese müssen sorgfältiger „erfasst“ und richtig hingedreht werden damit sie geknackt werden
können. Sie sind nicht schlechter als die großen, auch manche große Nuss ist hohl oder es zerfällt der Inhalt zu Staub.
Jede Nuss hat ihren eigenen Geschmack,sie schmeckt wie eine Haselnuss schmeckt, aber eben jede für sich wieder besonders. Lauter Individuen. Während ich knacke nasche ich auch schon welche. Es gibt ab und zu mal eine, die ich gleich wieder in den Komposteimer hinein ausspucke. Den jeder Nuss eigenen besonders guten Geschmack erlebt man bei gekauften Haselnusskernen nicht. Sie sind ja schon vor längerer Zeit geknackt worden und liegen mit anderen Haselnüssen in einer Tüte. Es ist ein ganz anderer Geschmack, vor Allem, sie sind nicht mehr frisch und haben sicher auch die wertvollen Inhaltsstoffe nicht mehr in vollem Maße! Der Geruch sagt es mir auch, wenn ich so eine Tüte öffne. Und wer weiß, wo sie herkommen, sie sind vielleicht über den großen Teich geflogen worden, also von weit her gereist. Es gibt noch einen Unterschied: sie sind alle gleich groß und haben alle die gleiche runde Form. Ab und zu kaufe ich Haselnusskerne zum Backen, weil mir die selbst gepflückten dafür zu schade sind. Na ja, auch weil ich keine Lust habe, „am Stück“ so viele Nüsse zu knacken, denn es braucht Zeit für einen Kuchen oder Plätzchen die nötige Menge zu erhalten! Nusskerne haben noch eine Haut um sich herum, mal heller, mal dunkler. Einige Kerne sehen schrumpelig aus, einige sind ganz glatt. Bei manchen Nüssen denke ich, dass gar nichts drin ist und sie sind in Ordnung, und bei anderen erwarte ich einen besonders schön aussehenden Nusskern, und dann fällt mir ein zerbröseltes staubiges Häuflein auf die Tischplatte! Ich kann in die Nüsse nicht hineinsehen, das Äußere täuscht oft. Es ist wie mit den Menschen! So eine Art Nussphilosophie? Ja, genau! Wer kennt nicht den Spruch: Du hohle Nuss!
In diesem Jahr werden wir keine Nüsse pflücken. Es sind keine da. Die Sträucher haben keine Nüsse hervorgebracht, nur ganz einzelne haben wir entdeckt. Es gibt sie eben in diesem Jahr als richtige Nussernte nicht. Im letzten Jahr waren wir gesegnet, so eine Fülle haben wir nach Haus getragen, so viele, dass wir nun ein Jahr später immer noch welche haben. Aber es wird Walnüsse geben. Unser junger Walnussbaum trägt in diesem Jahr schon ganz gut, und der große alte Walnussbaum des Nachbarn, der direkt an unserem Garten steht, ist voller Walnüsse. Wenn es soweit ist wird er viele seiner Früchte auf unsere Gartenseite fallen lassen! Der Wind wird ihm dabei behilflich sein. Wenn das Eine nicht da ist, gibt es eben dafür etwas Anderes, so ist das Leben!
Herta Andresen

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