Besuch im virtuellen Computer-Museum: Erinnerungen an die PC-Vergangenheit

Es war im Jahre 1987, als ich mir meinen ersten PC zulegte. Einen gewaltigen vierstelligen D-Mark-Betrag hat mich das Ding damals gekostet. Die Kiste wurde früher tatsächlich noch in Deutschland zusammengeschraubt, ein Commodore-PC (nein, nicht der legendäre C 64, sondern ein MS-DOS-PC) mit einem Laufwerk für Schwabbeldisketten und mit einer 20-MB-Festplatte – das war zu der Zeit ein sehr komfortabler Speicherplatz, während man heute diesen Platz locker mit einem einzigen digitalen Foto ausfüllen kann. Dazu kamen ein 12-Zoll-Monochrommonitor (natürlich Röhrentechnik) in der Farbe „Bernstein“ und ein 9-Nadeldrucker mit Farbband und nervig-schnarrendem Druckgeräusch, dazu eine Packung Endlos-Druckpapier. An Internet und Onlinehandel war noch nicht zu denken; das Telefonnetz war fest in den Händen des Staatsmonopolisten Bundespost. Es gab aber bereits die Möglichkeit, mittels Modem (natürlich Post-zugelassen) Daten zu übertragen. Das glückte nicht immer – es war noch eher ein Abenteuer.Nun – das ist lange her, mehr als 30 Jahre, und es gab für mich damals viele Entdeckungsreisen durch die faszinierenden Welten der Bits und Bytes. Doch das meiste davon ist für mich im Laufe derJahre und Jahrzehnte doch mehr oder weniger wieder in Vergessenheit geraten. Bis ich vor kurzem die Retro-Ausgabe 2020 des Computermagazins c’t in den Händen hielt (www.ct.de). Dort las ich, dass es nun wieder möglich ist, in die Soft- und Hardwarewelt von damals einzutauchen: Der Amerikaner Jeff Parsons hat die Welt der Elektronik der 70er- bis 90er Jahre im Internet wieder aufleben lassen. Er hat die damaligen „Schätzchen“ mittels der Programmiersprache JavaScript nun so aufbereitet, dass man sie einfach mit dem Internet-Browser aufrufen und auf dem heimischen Rechner starten kann. Man kann also seinen modernen Computer per Mausklick in einen IBM- oder Atari-PC der damaligen Zeit versetzen, sogar eine Emulation des damaligen programmierbaren Taschenrechner-Flaggschiffs „57“ von Texas Instruments steht zur Verfügung. Ich fand es jedenfalls faszinierend, wieder einmal in die gute alte Kommandozeile des DOS-Betriebssystems Befehle einzugeben. Sofort fühlte ich mich um dreißig Jahre jünger. An Windows 1.0 konnte ich mich auch noch erinnern; damals konnte ich allerdings noch nicht wirklich etwas damit anfangen – das ging mir aber wohl nicht alleine so. Windows kam erst ab Version 3.0 langsam auf die Erfolgsschiene. Auch Uralt-DOS-Versionen von Word und Wordstar (damals die großen Konkurrenzprodukte) lassen sich starten, ebenso wie hoch betagte Computerspiele (z.B. Commander Keen), Programmiersprachen (z.B. Turbo Pascal) und noch vieles mehr. Die Seiten sind auf Englisch, aber wer ein paar Brocken aufgeschnappt hat, sollte sich leicht zurechtfinden. Wer nun Lust bekommen hat auf einen Gang ins virtuelle Computermuseum – hier geht es lang: www.pcjs.org
Ulrich Barkholz

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