Unsere liebe Nachbarin: Erinnerungen an Tante Lassen

In der uns gegenüber liegenden Katenstelle wohnte Tante Lassen; Oma und Mutter pflegten mit ihr eine sehr gute Nachbarschaft. Besonders in der Vorweihnachtszeit waren sie oft bei Tante Lassen. Sie hatte schon einen Elektroherd und das Plätzchen backen geschah dort. Zusammen Kaffeetrinken war auch etwas Besonderes.
Während des Krieges erhielt Tante Lassen Kaffeepakete aus Amerika. In unserem Oberdorf – „Hörn“ genannt – gab es noch bis kurz in den Krieg hinein einen Hökerladen, betrieben von einer Frau Jensen. Diese wanderte Anfang des Krieges nach Amerika aus. Da sie mit Tante Lassen sehr befreundet war, hielt die Freundschaft auch über den Ozean, und der heiß begehrte Kaffee kam gut an. Wenn Tante Lassen dann mit einem Korb und ein em Geschirrtuch darüber über die Straße kam, gab es bei uns Kaffeezeit. Das war immer etwas Besonderes.
Zum Schnacken kamen die drei gerne zusammen. Gemeinsam hatten die drei mit ihren Schicksalsschlägen die Kriegs- und Nachkriegszeit überstanden. Als Jürgen und ich verheiratet waren, gingen wir mal abends zu ihr zum Schnacken. Der Abend verging nie ohne Kaffee und Plätzchen. Sie freute sich sehr über Besuch und wusste viel zu erzählen. So erfuhren wir auch, wie ihre Kindheit gewesen war und wie die Armut in den Dörfern herrschte. Oft meinte sie, dass es für den einfachen Menschen noch nie so eine gute Zeit gegeben hätte. Das war ungefähr vor etwa 70 Jahren. Ende der 1940er Jahre übernahm das Ehepaar Bließmer das kleine Anwesen. So musste sie nicht mehr alleine in ihrem Haus wohnen. Es wurden noch zwei Söhne bei Bließmers geboren. Dass Kinder im Haus waren, kannte sie nicht, denn selbst hatte sie keine Nachkommen. Die beiden Jungen und auch unsere Söhne erhielten oft ein Plätzchen aus der Hand von Tante Lassen. Ende der siebziger Jahre ist Tante Lassen im Böklunder Altenheim mit über 90 Jahren verstorben.
Gerda Zielke

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