Sozialtherapeutische Einrichtung Ekebergkrug: Ein Jahr Corona-Beschränkungen

Wie haben wir diese Beschränkungen in den letzten 12 Monaten erlebt? Wie sind wir damit zurechtgekommen, dass der Kern unserer Arbeit, unseres Daseins, unseres Lebens in der Einrichtung, welcher die Begegnungen mit den Menschen ausmacht, empfindlich gestört war und ist? Wie können wir damit zurechtkommen, dass unsere teilweise jahrzehntelangen Angebote wie das Tanzen, Singen, Theaterspiel, Malen und der Sport in Struxdorf in der Halle uns seit einem Jahr nicht mehr bereichern können? Wie konnten wir nach über 30 Jahren 2020 auf das Sommerfest verzichten, auf den Basar mit all den lieben Menschen, auch auf Euch in den Gemeinden und andere von fern? Auch konnten wir in all der Zeit keine Gäste zu unseren verschiedenen Jubiläen empfangen. Wie sind wir damit umgegangen? Zuerst denken wir an den 4.Mai 2020. Da war unser Klaus 40 Jahre bei uns. Wie viele Menschen aus der Gemeinde waren ihm nah und vertraut, so z. B. Rolf Mangelsen, die Familie Trahn, die Feuerwehr, die Kapelle? Alle wären seine Gäste gewesen, die genannten und noch mehr. Wie sehr hätte er sich zu allen gefreut! So gab es aber keinen Gast außer unserer Kernfamilie, zu der auch immerhin ca. 30 Menschen zählen. Was machten wir? Mit einer Kleinstgruppe ging es am Morgen des 4. Mai an die Geltinger Birk. Nach einem Spaziergang am Wasser picknickten wir an einem sehr schönen Platz. Den Rest des Tages verlebten wir in unserer frühlingsgeschmückten Halle bei Imbiss, Torten, Abendessen, Musik und vor allem vielen kleinen und größeren Reden, lustig und ernst aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Im Sommer wagten wir eine Ferienfahrt in eine Burg in die Nähe von Hannover, nachdem wir sicher sein konnten, dass das Anwesen eine Alleinlage hatte und keine anderen Gäste zu der Zeit dort auch noch weilten. Vom Sommer bis zum Herbst jährten sich drei Geburtstage mit einer Null am Ende, die jeweils für sich am entsprechenden Tag am Nachmittag mit Kaffee, Kuchen und unseren beliebten Reden gefeiert wurden. Nach der letzten Feier im Oktober veranstalteten wir mit allen drei „runden Geburtstagskindern“ noch einmal gemeinsam ein größeres Fest. Dabei war ein herausragendes Erlebnis, dass am Abend nach dem Essen ein Teil der Feuerwehrkapelle aus Westerakeby überraschend für unsere Jubilare auf dem Platz vor der Halle sich verteilten und ihre Instrumente erklingen ließen. Wir stellten uns alle vor unsere Türen – und hörten zu. Nein, wir fingen sofort zu tanzen an, fröhlich, ausgelassen, jubelnd. Unsere leuchtenden Augen konnten wir in den Gesichtern der Musiker vor uns sehen, tatsächlich wie in einem Spiegel. Es war nicht mehr zu unterscheiden, wer die Schenkenden und die Beschenkten waren, ca. 40 überaus glückliche Menschen standen auf dem weiten Platz verteilt, vom Mond darüber mit einem herrlichen Licht beschienen. Ungefähr in dieser Zeit ereilte uns ein weiteres Ereignis. Das Ministerium aus Kiel teilte uns zu unserer großen Überraschung mit, dass unsere Einrichtung in der Kategorie „Kinder- und Jugendpsychiatrie innerhalb von Schleswig-Holstein“ den 1. Preis gewonnen hat – für 45 Jahre innovatives und fortschrittliches Engagement, so hieß es. Auch diese Auszeichnung konnte nicht so gefeiert werden wie es geplant war. Holen wir das nach? Und wenn, wann? Dann freuten wir uns zu unserem dreitägigen Basar. Von der Straße konntet Ihr lieben Gäste linker Hand von Tannenbäumen begleitet an eine kleine „Marktbude“ mit diversen Verkaufsartikeln vorbei zur eigens hergestellten großen Krippe, gefüllt mit unseren Adventskränzen gehen, dann weiter an dem großen Tannenbaum vorbei zur anderen Seite, zu den geöffneten Türen der Werkstatträume, hinter denen jeweils ein Tisch stand auf dem Gebasteltes aus den entsprechenden Räumen zum Verkauf angeboten wurde. Obwohl nur immer einzelne Menschen auf dem Platz zu sehen waren, müssen es, den Einnahmen entsprechend viele gewesen sein, vor allem aus den Gemeinden. Wir danken Euch, auch für Eure Freude an unserem Platz: ein „Markt“ mit Krippe und vielen Weihnachtsbäumen. Diese verschönten auch, kurz vor dem Fest, unsere kleine alljährliche Weihnachtsfeier, bei der wir immer „unter uns“ sind, in Ruhe, Frieden und Freude. Zum Schluss dieses Berichtes ist noch ein Höhepunkt zu nennen, der uns alle ins Staunen versetzte. Wir feiern ca. 30 Jahre lang jeden Rosenmontag ein kleines Faschingsfest – mit mehr oder weniger Begeisterung. Aber in diesem Jahr erlebten wir dabei etwas Einzigartiges. Die meisten von uns waren mehr oder weniger kostümiert, aber anders als sonst. Das machte einen sehr starken Eindruck. Aber wieso? Was war das? Im Laufe des Nachmittages glaubten wir, es zu erkennen. Die, der einzelne war nicht einfach verkleidet, z.B. war er nicht auf einmal eine Biene Maja oder ein Indianer, sondern auf eine hinreißende Art unterstrich das jeweilige Kostüm die besondere Art und Weise der Trägerin, desTrägers und erhellte verblüffend deutlich den eigentlichen Charakter. Jubel und Freude darüber waren so groß, dass die Atmosphäre in der Halle so war, als ob durch unsere Menschen eine ganz andere Welt, eine s c h ö n e r e sich auftat, als wenn Verborgenes aus ihnen hervorschien, dass lichtvoll den Raum erfüllte. Wie dem auch sei, es war ein Erlebnis – unglaublich und wahr, das bleibt. Wir sind froh und dankbar darüber.Natürlich gab es im letzten Jahr auch dunkle Stunden. Die Verantwortung ist groß und wir vermissen alle die vielfältigen Kontakte. Dennoch geht es uns gut.
Wir denken mit schwerem Herzen an all die Menschen, die das nicht so sagen können, vor allem auch an die größeren und großen Einrichtungen, in denen die Menschen besonders gefährdet sind. Wir sind mit den besten Gedanken bei ihnen, bei allen Menschen, die es in dieser Zeit besonders schwer haben. Liebe Grüße an alle von uns allen.
Erika Fürst

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