Überraschung zum 80. – Eine Geschichte, die das Leben schrieb

Anfang Februar überlegt ein etwas über 50-jähriger Mann in Duisburg, was er seiner Mutter zum 80 jährigen Geburtstag schenken kann. Sie will nichts, hat alles; es soll keine Geschenke geben. Wie es in dem Alter so ist. Aber er möchte seiner Mutter doch gerne eine Freude machen! Sie hat ihm viel von früheren Zeiten erzählt. Und da kommt ihm eine Idee: Ein Gutschein für eine Reise nach Angeln! Er möchte mit seiner Mutter an den Ort fahren, in dem sie als kleines Mädchen mit ihren Schwestern und Eltern einige Jahre verbracht hat. Nach Schnarup! Oft hat sie davon erzählt: Ihre Familie war im Krieg nach Schnarup gekommen, weil deren Zuhause von Bomben zerstört worden war. Mit der Mutter und den Schwestern wohnte sie einige Jahre dort in dem Abnahmehaus eines Bauern. Schon mehrere Flüchtlinge wohnten auf dem Hof, verteilt in jedem freien Raum. Insgesamt waren es wohl so an die zehn Flüchtlinge. Der Vater befand sich noch im Krieg und konnte erst 1947 nachkommen. Es wurde auf dem Hof jede fleißige Hand gebraucht. Die Mutter lernte das Melken und versorgte die Kühe. Der Vater konnte dann später den Hof sozusagen am Laufen halten, weil der Bauer längere Zeit wegen einer schweren Krankheit ausfiel. Es hatte da auch einen kleinen Jungen gegeben, Johannes, mit dem die Mädchen oft gespielt hatten. – Ja, bestimmt wäre das eine große Überraschung für seine Mutter. Die Großeltern hatten lange den Kontakt nach Schnarup gehalten. Nach deren Tod endete es dann. Nun hat er keine Telefonnummer mehr und die Mutter fragen geht ja nicht, wegen der Überraschung. Also wird im Telefonbuch gesucht – oh, da gibt es viele Andresens. Aber da liest er: Johannes. Der kann es sein.
Bei uns klingelt das Telefon. Ein Mann meldet sich: „Hier ist C.R. Aus Duisburg. Bin ich richtig in Schnarup?“ – „Ja!“ – „Sind Sie die Frau Andresen?“ – „Ja!?“ – Haben Sie einen Mann, der Johannes heißt, und ist der schon etwas älter? – (Nun, denke ich: Was will der denn? Was geht den sowas denn an?) Da fragt er: „Können Sie sich an eine Familie B. erinnern und an eine Anke? Das ist meine Mutter.“ – Bei mir fällt nun der Groschen: Klar kann ich! Mein Mann hat von der Familie viel erzählt, und vor vielen Jahren gingen auch noch Weihnachtsgrüße hin und her, bis wir die Nachricht vom Ableben der beiden alten B.`s erhielten. Ich reiche meinem sehr erstaunten Mann das Telefon. Sie reden eine Weile, dann werden Anschrift und Telefonnummer notiert. Na, das war ja was!
Später suche ich Bilder heraus, kopiere einige, denn Anke soll ja sehen, wie der Hof nun aussieht und das Abnahmehaus, in dem sie mit ihrer Familie damals gewohnt hat. Vor allem muss sie ja sehen, wie der kleine Johannes von damals heute aussieht. Ein Brief wird noch geschrieben, und ab geht die Post Richtung Duisburg. Wir sind sehr gespannt, was da wohl für eine Antwort kommen wird. Gut zwei Wochen später kommt ein Anruf, es ist Anke. Ihr 80. Geburtstag ist vorbei, die Überraschung und die Freude waren groß. Sie sagte, sie hätte vor Freude geweint. Und sie freut sich auf Schnarup und hofft sehr, dass die Lage im Sommer eine Reise erlauben wird. Ihre Schwester Renate möchte auch mitkommen. Zwei Menschen, die sich als Kinder kannten und zusammen gespielt haben, telefonieren nach so vielen Jahrzehnten miteinander!
Über WhatsApp erhielten wir dann auch ein Foto von Anke. Mein Mann meinte, dass er sie so auf der Straße nicht wiedererkannt hätte. Genauso wird’s ihr wohl auch mit seinem Foto gegangen sein! Wir freuen uns nun auf ein baldiges Treffen.
Herta Andresen

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