„Covidchen“ beim Lieblingsbäcker: Den een sein Uhl…

Eigentlich wollte ich nie etwas schreiben über das von mir – und nicht nur von mir – so gehasste Virus genannt Corona. Es hat unser normales Leben verändert und macht viele Existenzen kaputt. Und das nun schon ein ganzes Jahr lang! Ich war einkaufen, unter anderem auch bei unserm Lieblingsbäcker in Süderbrarup am Marktplatz. Zwei Personen passen wegen der Maßnahmen nur gleichzeitig in den Laden vor der Theke. Dahinter heißt es: Abstand einhalten. Die Dame vor mir kaufte Kuchen, und gerade wegen der leckeren Kuchenauswahl war ich auch dort. „Dann nehme ich noch zwei von den Covidchen“, sagte sie. Ich dachte: „Das darf doch nicht wahr sein!“ In der Auslage war ein Blech voller scheußlich grün-gelber Virusbällchen, so richtig gespickt mit irgendetwas, genau wie die Dinger, die man ständig im Fernsehen zeigt und die überall abgebildet sind. Eigentlich wollte ich einen Kommentar abgeben, aber ich war zu geschockt. Und auch zu sauer über diesenAnblick. Ich kaufte Heißewecken und einige Stücke anderen Kuchen. „Nie im Leben“, dachte ich, „nie im Leben würde ich mir das Zeug auch noch auf den Teller legen!“ Ich konnte nicht fassen, dass man sowas wirklich kauft. Zu Hause war es das Erste, was ich meinem Mann erzählte. Er sagte: „Reg dich nicht auf! Nimm‘s mit Humor.“ Zum Lachen war mir aber nicht. 14 Tage später war ich wieder bei diesem Bäcker. Die Dinger waren natürlich wieder im Angebot und dazu noch einige mit einer Art Spritze drauf. Diesmal sprach ich die Verkäuferin an: „Werden Sie die alle los?“ – „Und wie“, sagte sie, „heute Nachmittag ist das Blech leer.“ – „Das darf doch nicht wahr sein!“ sagte ich, „Nie im Leben würde ich die kaufen. Ich gönne Ihnen ja das Geschäft, aber nie würde ich mir das auch noch auf den Teller legen!“ Die Verkäuferin lachte und ich nun auch. Hat ja auch keinen Sinn, sich drüber aufzuregen. Ich muss sie ja nicht kaufen. „Den Een sien Uhl is den Annern sein Nachtigall“, so heißt es auf Plattdeutsch. Mein Mann sagte es noch etwas krasser: „Den Een sein Dood is den Annern sein Brot.“ Das ist in diesem Fall etwas makaber, aber doch ist es die Wahrheit. Das war wohl schon immer so. Alles normal!
Herta Andresen

Foto: Screenshot aus einem Video des Wirtschaftsvereins Süderbrarup e.V.

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