Amtsgebäude Mittelangeln: Um- und Anbau statt Neubau

Wird eine Gemeinde die andere noch umstimmen können? Diese Frage stand im Raum, als der Amtsausschuss des Amtes Mittelangeln im Bürgerhaus Havetoftloit über die bauliche Zukunft der Amtsverwaltung zu entscheiden hatte. Amtsvorsteher Matz Matzen erinnerte an die Beschlüsse der Vergangenheit, das alte Amtsgebäude umzubauen und um einen Neubau in der Verlängerung zum Alt-Gebäude in Richtung Osten zu erweitern. Diese Beschlusslage war Fakt zu Beginn seiner Amtszeit am Anfang dieses Jahres. Da das Amtsgebäude hauptsächlich von der Amtsverwaltung genutzt werde, regte Matz Matzen an, das Projekt noch einmal in allen drei Gemeinden ausführlich zu diskutieren und sich eine Meinung zu bilden. „Diese Baumaßnahme ist ein großer Schritt für die beteiligten Gemeinden und die Region“, unterstrich Matzen.
Sörups Bürgermeister Dieter Stoltmann eröffnete die Statements mit dem Hinweis, dass Sörups Gemeindevertretung einstimmig einen Neubau favorisiert, der zukunftsgerichtet und bedarfsgerecht sei. „Unsere Richtung ist unverändert“, machte der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Mittelangeln Uwe Callsen deutlich. Das heißt: ein Umbau des alten Gebäudes und ein Anbau am derzeitigen Standort. SPD-Fraktionschef Wolfgang Schwennsen unterstrich die übersichtliche Finanzierung und die direkte Anbindung an den ZOB. Die SSW-Kommunalpolitiker aus Mittelangeln und Sörup haben sich in einer gemeinsamen Sitzung für den Um- und Anbau entschieden, erklärte Fraktionssprecher Hermann Paulsen. War bisher der Umzug der Polizei in das Amtsgebäude als Option gesehen, meinte Wolfgang Schwennsen, dass es nicht zwingend erforderlich sei, Räume für die Polizei zur Verfügung zu stellen. Dem widersprach Amtsvorsteher Matzen: „Die Polizei gehört in das Verwaltungsgebäude“.
Mittelangelns Bürgermeisterin Britta Lang erläuterte noch einmal die Beweggründe der Gemeindevertreter Mittelangelns. Sie nannte den Erhalt und die gesicherte Nutzung des historischen und ortsbildprägenden alten Bahnhofsgebäudes sowie die zentrale Lage am ZOB Satrup, welcher gleichzeitig nach den gegenwärtigen Ansprüchen barrierefrei mit Fahrradstellplätzen etc. ausgebaut werden soll, dies auch hinsichtlich der künftig eng getakteten Verbindung zum Bahnhof Sörup. Lang unterstrich, dass die Machbarkeitsstudie am Standort ausreichend Raum für alle notwendigen Nutzungen sieht, dies auch bei einem späteren Erfordernis einer weiteren Ausdehnung der Amtsverwaltung. Ein weiterer Punkt war die finanzielle Belastung über die nächsten 40 Jahre. Die sei für alle beteiligten Gemeinden nur halb so hoch wie bei einem Neubau (rd. 50.000 Euro statt 100.000 Euro jährlich).
Sichtlich unzufrieden mit dem Verlauf der Debatte zeigte sich Schnarup-Thumbys Bürgermeister Andreas Bonde. Für ihn würden beide Projekte zu viele Unklarheiten enthalten. Wo soll ein Neubau stehen und wie hoch sind Kosten der Projekte? Auch aus der Verwaltungsspitze von Ronald Legant und der Personalvertretung gab es eindeutige Aussagen für einen Neubau.
Im Amtsausschuss haben alle Gemeindevertreter und Bürgermeister Bonde drei Stimmen, Bürgermeister Stoltmann hat fünf Stimmen und Bürgermeisterin Lang sechs Stimmen. Die Stimmenverteilung ermittelt sich aus der Einwohnerzahl der Gemeinden. Obwohl Bürgermeister Bonde seine drei Stimmen in die Waagschale für einen Neubau warf, überwog der Vorschlag der Gemeinde Mittelangeln mit einer Stimme. So ist das Endergebnis 21:20 Stimmen für einen Um- und Anbau am derzeitigen Standort.
„Mit dem Ergebnis haben wir rechnen müssen“, kommentierte Sörups Bürgermeister Dieter Stoltmann die Entscheidung des Amtsausschusses, denn die Stimmenverteilung im Amtsausschuss ist ja bekannt. Ob ein Kompromiss möglich ist, wird von Stoltmann skeptisch gesehen, „aber ein Versuch wäre es Wert gewesen“. Sörups Bürgermeister unterstrich die Notwendigkeit einer zukunfts- und bedarfsgerecht untergebrachten Amtsverwaltung. Dies werde Sörup auch in Zukunft deutlich machen.
Auch Amtsvorsteher Matz Matzen, der sich stark für einen Neubau engagiert hat, sieht die durch die Gemeindeordnung gegebenen Fakten. Die geben der Gemeinde Mittelangeln durch die Stimmenverteilung eine starke Stellung im Amtsausschuss. „Diese Fakten gilt es zu akzeptieren“. Gleichwohl sieht Matzen die Notwendigkeit, eine Lösung zu finden, die von allen Gemeinden des Amtes getragen wird. „Die Wünsche des Amtes und damit Hauptmieter des Amtshauses müssen weitgehend erfüllt werden“, so Matzen.
Peter Hamisch

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