Schnarup-Thumby früher: Tante Henny

Wer kannte Tante Henny zu ihren Lebzeiten nicht? Fresenburg, die kleine Gaststätte in Fresenburg, gehörte den Lorenzens. Durch den Zusammenschluss von Schnarup-Thumby verschwand Fresenburg wie auch andere kleine Ortsnamen. Der Ehemann Peter war um 1970 verstorben, und Tante Henny war schon immer ein begehrter Anlaufpunkt. Gerne kehrten hier junge Menschen ein und hatten immer Spaß. Tante Henny hatte Sinn für Humor.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, so erzählte man mir, fand an jedem Sonntag ein Tanzvergnügen in dem kleinen Saal statt. So manches Paar hat sich hier für‘s Leben gefunden. Die jüngste Tochter Erika hatte das gleiche Alter wie ich. Ich holte sie jeden Morgen zur Schule ab. Wenn Erika ihre Schularbeiten nicht ganz erledigt hatte, durfte sie bei mir abschreiben. Tante Henny hatte dann einen Becher Kakao für mich. Ich erinnere noch, wie mir der geschmeckt hat. Zuhause gab es nur aufgekochte Milch, und die war für mich ein Graus, besonders die eklige Haut darauf. Wir hatten zusammen eine gute Schulzeit!
Meine längsten Erinnerungen an Tante Henny sind unsere Chorproben vom Frauensingkreis. Per Fahrrad, zu Fuß und später mit dem Auto fanden wir uns am Dienstagabend bei Tante Henny ein. Das war ein fröhliches Ankommen. Hier trafen sich Jung und Alt, um einen Singabend zu verbringen. Die Gründung fand im Januar 1962 statt. Viele freuten sich auf diesen Abend bei Tante Henny. Sie hatte oft für uns eine Suppe gekocht, die uns in der Pause köstlich schmeckte. Sie überbot sich mit ihren Variationen – alle schmeckten wunderbar.
In der Ecke des Raumes stand ein großer Kachelofen. Wenn es kühl war, heizte sie ihn an. In Nähe des Ofens wurden wir „gebraten“ – dagegen waren in der gegenüber liegenden Ecke kalte Füße angesagt.
Aber es war immer gemütlich. Wir hatten gemeinsam viel Freude. In der Adventszeit gab es immer einen Julklapp. Im Flur stand eine Wanne. Sie wurde von mitgebrachten Päckchen gefüllt. In der Pause gab es dann Kaffee und Weihnachtsplätzchen. Danach freuten wir uns auf unser Päckchen.
Mit unseren neuen Nachbarn machten wir seinerzeit eine Runde um Schnarup-Thumby. Wir wollten alles, was zur Gemeinde gehörte, zeigen. Danach war ein Besuch bei Tante Henny dran. Wir stellten uns vor und wollten den Abend beschließen und vor allem unsere Tante Henny kennenlernen. Tante Henny kam mit der Flasche und wir tranken auf gute Nachbarschaft. Nach zwei Schnäpsen wäre es genug, so meinten wir. Doch sie ließ nicht locker und es wurde ein ganz lustiger Abend mit viel Lachen. Tante Henny bleibt vielen in Erinnerung. Sie war ein Original. Alle mochten sie.
Etwas muss ich unbedingt noch nachtragen, Tante Henny kassierte nie das Geld ein. Die geöffnete Kasse stand auf dem Tisch, und jeder legte sein Geld hinein. Auch musste mal
gewechselt werden. Alles geschah auf Vertrauensbasis. Ich bin überzeugt, dass auch Trinkgeld hineingelegt wurde! Das Foto zeigt Tante Henny (l.) zusammen mit Christine „Tiede“ Jeß.
Jetzt wünsche ich allen Leser(inne)n ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes von Corona erlöstes Neues Jahr!
Gerda Zielke

1 Kommentar

  1. Guten Morgen Redaktion , bzw. Autorin des o.a. angeführten Artikels „Oma Henny „.
    Dieser hat mich berührt und ich danke Ihnen.
    Ich schreibe hier als Enkel Claus-G. L. ,der sehr viele schöne Zeiten bei Oma(Tante ) Henny und bei Opa Peter auf dem Hof in Fresenburg verbracht hat. Die guten Erinnerungen sind so vielfältig, interessant, erlebnisreich und würden auch ein Buch füllen. Auf den Punkt gebracht: Oma war wirklich ein Original. Wie sehr diese mich nachhaltig geprägt hat, kommt immer wieder in wertschätzenden Gesprächen über unsere Oma und das Leben in Fresenburg in der Familie zum Ausdruck. So wie es auch im Leben ist, viele Omas hatten oft eine große Bedeutung, insbesondere für die Enkelgeneration.
    Wenn wir mit der Familie von Flensburg/bzw. Kiel zur Oma zu Besuch fuhren, haben wir traditionell nie vergessen bei “ Tiede“ und Willy Jeß zu hupen und alle wussten Bescheid. Kleine Anekdote am Rand: Wenn Oma nach ca.3 Tagen leise vor sich „hinpfiff“ war das der Impuls zur baldigen Abreise. Jetzt brauchte sie wieder Ruhe und ihren eigenen, gewohnten Gang. Das konnte aber jeder gut verstehen.
    Ich hoffe, dass in 2022 ein weiterer Besuch meiner damaligen zweiten Heimat Thumby/Fresenburg klappt und ich nicht so enttäuscht bin über den Verlust einer guten, alten ,normalen entschleunigten Zeit bin.

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