Lieblingsbeschäftigung Lesen: Bücher

Wie bequem ist es heute doch, sich Lesestoff zu besorgen! Während des Lockdowns entdeckte ich im Internet den Markt für gebrauchte Bücher, lernte besser mit dem Smartphone umzugehen und konnte mit dem Smartphone aus meinem E-Book lesen. Keine Klatschblätter-Lektüre mehr in den Wartezimmern! Keine Bücher mehr im Koffer! Einfach eine Leseprobe herunterladen, und wenn‘s nicht das Richtige ist: Löschen. Natürlich finde ich ein „richtiges“ Buch im Bücherschrank oder in der Hand immer noch am besten. Lieblingsbücher gehören einfach ins Regal!
Meine Großeltern haben mir viel vorgelesen, meist aus Grimms Märchen, und den Struwwelpeter kannte ich in- und auswendig. Den kennen heute die Kinder nicht mehr.
Das Lesenlernen in der Schule war für mich nicht ganz einfach. Uns Schulanfängern wurde es mit der Ganzwort- Methode beigebracht. Die ersten Worte, die ich auf meine Schiefertafel zu schreiben hatte, waren „Hans“ und „Lotte“. Nachdem wir schon eine ganz beachtliche Menge an Worten schreiben und „lesen“ konnten (d.h. eher auswendig), sollten die einzelnen Buchstaben und Silben zusammengesetzt werden. Damit hatte ich meine Schwierigkeiten. Unser Lehrer gab mir aus der Schulbibliothek ein Bilderbuch mit nach Hause: „Banni Grau und seine Abenteuer“ – eine Geschichte über ein Kaninchen. Ich bemühte mich es zu lesen, weil es für mich spannend war, und plötzlich war bei mir sozusagen der Knoten geplatzt: Ich konnte fließend lesen!
Aus der Leihbibliothek der Dorfschule nahm ich mir fast jede Woche neuen Lesestoff mit. Ich wurde eine Leseratte! Zu Hause hatten wir sehr wenige Bücher. Meine Mutter kaufte sich ab und zu eins der sogenannten Schundromane, und der Lesezirkel brachte jede Woche einen neuen Stapel „Mappen.“ Diese waren aber schon längst nicht mehr aktuell, mindestens 2 Monate alt. Mutters Lore-Romane durfte ich anfangs nicht lesen. Ich nahm sie aber heimlich und irgendwann störte es meine Mutter nicht mehr. Ich wünschte mir zum Geburtstag und zu Weihnachten immer ein Buch. Das waren dann zwei Bücher, die ich bekam, denn bei den Großeltern in Schwansen gab es auch eins. Ich saß dann unter Opas Schreibtisch und las. Ich liebte die „Schneider-Bücher“, die sehr beliebt waren. Natürlich las ich auch die Bücher von Johanna Spyri, u.a, „Heidi.“ Mein Großvater hatte einen Bücherschrank voller Bücher, und ich durfte darin herumstöbern. Einzige Bedingung: „Stell sie wieder ordentlich hin, dass es nicht schief aussieht und die Reihe schön glatt ist!“ Ich bemühte mich. Das wurde natürlich nicht immer so ordentlich wie gewünscht. Manchmal kriegte ich auch zu hören: „Das ist noch nichts für dich, vielleicht später, nimm mal lieber das hier!“ Besonders die Oma hatte „ein Auge drauf“, was der Opa mir mitgab. Er besaß alle Bände von Karl May. Ich hab sie alle gelesen. Die Bücher bezog er über den Lesering vom Bertelsmann-Verlag. Meine Tante, die auch dort wohnte, schimpfte mit mir: „Geh lieber raus an die frische Luft! Das viele Lesen ist nicht gut für die Augen!“ Ich sollte mit meinem Cousin spielen. Dazu hatte ich wenig Lust. Ich war eigentlich in den Ferien nur so gern dort wegen der Bücher. Ja, so einfach hatten es Leseratten früher nicht unbedingt. Bücher waren im Verhältnis zu heute teuer, und nicht in jedem Haushalt gab es welche.
Heute ist es immer noch meine Lieblingsbeschäftigung: lesen, lesen, lesen! Man tauscht den Lesestoff unter Freunden aus, gibt Buchtipps weiter. Eintauchen in Fantasiewelten, sich „schlau machen“ über manche politische Begebenheiten oder: einfach nur schmökern! Mit den Jahren ändert sich auch der Lesegeschmack. So wanderten vor einiger Zeit viele Bücher in die alte Schule nach Thumby. Eine Freundin und ich hatten uns einen Nachmittag lang damit beschäftigt, diesen wirklich großen Bücher-Vorrat dort durchzusehen und zu sortieren. Es hat richtig Spaß gemacht! Krimis, Sachbücher, Romane aller Art, Kinderbücher, etc. Dabei fand ich selbst noch einiges Lesenswertes für mich und konnte viele ausgelesene Bücher für andere Leseratten zur Verfügung stellen. Für Interessierte: Man muss sich nur den Schlüssel für die alte Schule holen! Ein Lexikon im Bücherschrank hat heutzutage meist ausgedient. Bei uns steht noch eine ganze Reihe von A bis Z auf dem Regal. Nun kann man einen Suchbegriff bei Google eingeben und bekommt sofort eine Antwort. Ein Beispiel: Wir sahen bei einem Spaziergang in der Dämmerung etwas über den Weg huschen, meinten, es könnte ein Marderhund gewesen sein. Zu Hause angekommen und diesen Suchbegriff ins Smartphone eingegeben, wurden mehrere Bilder dieses Tiers gezeigt. Wir meinten: „Ja, so sah das Tier aus. Das muss einer gewesen sein! Aber gibt es die hier bei uns überhaupt?“ Ein Jäger in unserer Nachbarschaft konnte es uns bestätigen! Ich bringe es nicht fertig, meine Lexika-Reihe auszusortieren. Wer weiß – vielleicht ist es doch noch irgendwann zu gebrauchen?
Heute habe ich im Internet nach dem Bilderbuch „Banni Grau“ gesucht und auch bei einem Antiquariat entdeckt, aber es würde über 50 Euro kosten. Das war mir die Sache nun doch nicht wert. Ich erinnerte mich sofort an das Bild auf dem Einband und daran, wie dieses Bilderbuch mich als Schulkind zum Lesen animiert hat. Ich kann mir ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen! Ob E-Book, Hörbuch, oder ein Buch zum Anfassen. Ohne geht gar nicht!
Herta Andresen

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