Aus dem Herzen: Zivilcourage

Zivilcourage ist eine Selbstverständlichkeit, die nicht immer selbstverständlich ist (Volkmar Frank)
Bei der Zivilcourage, wörtlich Bürgermut (aus zivil (lateinisch civilis, 1. bürgerlich – nicht militärisch, 2. anständig, annehmbar) und courage (französisch „Mut“)), handelt es sich um einen „Alltagsmut“, wie er nahezu täglich in verschiedenen Formen und Situationen jedem Menschen abverlangt wird. Zivilcourage beinhaltet die Bereitschaft und Fähigkeit, die eigene Sicherheit und Bequemlichkeit in einer unangenehmen oder auch bedrohlichen Situation zurückzustellen, um sich für eine als gerecht erachtete Sache einzusetzen und entsprechend aktiv zu werden (Quelle: Wikipedia).
Vor den letzten Weihnachtsferien war das Thema Zivilcourage Lernstoff in der siebten Klasse unserer Tochter. Wir haben mit ihr darüber gesprochen und sind gemeinsam die Arbeitsblätter zu dieser Thematik durchgegangen. In der Theorie stand für sie fest, dass wir alle helfen müssen, wenn wir einen solchen Umstand/Konflikt bemerken. Wie wir aber alle wissen liegen zwischen Theorie und Praxis manchmal Welten.
So erlebt Anfang Januar. Meine Tochter und ich waren einkaufen. Sie hatte das Leergut weggebracht und ich wollte mit dem Einkaufswagen schon vorgehen. Da gerieten zwei junge Männer in Streit und fingen an, sich direkt vor dem Eingang des Supermarktes zu prügeln.
Ein älterer Herr und ich waren die Einzigen, die in diese Situation eingeschritten sind. Einige Menschen standen entweder um das Geschehen herum, einzelne lachten sogar oder gingen einfach weg. Einer der Streithähne lag bereits auf dem Boden und wurde von dem Mitstreiter ins Gesicht geschlagen. In diesem Moment habe ich einfach reagiert. Das Zittern kam später. Aber wenigstens hat unser lautes Brüllen dazu geführt, dass der eine Schläger sich schnell davon gemacht und von dem am Boden Liegenden abgelassen hat. Zum Glück war diesem weiter nichts Schlimmes passiert.
Nach dem Geschehen kam meine Tochter zu mir. Sie sagte, sie hätte auch überlegt, etwas zu unternehmen, dann aber Angst gehabt (auch um mich). Wir haben darüber geredet, dass sich in der Theorie vieles einfacher anhört, als es praktisch umzusetzen ist. Zwar habe ich, nachdem das Adrenalin weg war und das große Zittern bei mir nach dem Vorfall einsetzte, über die Hälfte meiner geplanten Einkäufe in den Regalen vergessen, aber zumindest konnte ich unserer Tochter ein Vorbild sein.
Stefanie Merkel

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