Festvorbereitungen in Angeln: Girlande über der Haustür

Wenn im Dorf eine Hochzeit stattfinden soll, ist das meist länger bekannt und daher eine Planung in der Nachbarschaft schon im Gange. Nicht jedes Mal, aber doch noch öfter ist es üblich, dass dem Brautpaar, wenn es gewünscht wird, am Abend vor der Hochzeit eine Girlande über deren Haustür angebracht wird. Eine selbst gebundene im Idealfall, manchmal wird diese auch bei einem Gärtner bestellt. Dieses „Kranzbinden“ findet meist in der nächsten Nachbarschaft statt, am besten irgendwo draußen auf der Terrasse oder im Garten, weil es doch ein wenig „Dreck“ macht. Aus Buchsbaum, Koniferen-Grün und Tanne werden den beiden Kranz-bindenden Damen kleine passend zugeschnittene Büschel von den mithelfenden anderen Nachbarinnen zugereicht, die diese an einem langen Tau (jede an einem Ende) mit Blumendraht befestigen, bis sie zusammen in der Mitte angekommen sind. Das kann schon mal eine ziemlich lange Girlande werden, je nach Größe der Haustür, was vorher (von den Männern) abgemessen wird. Wegen des Taus gibt es vor der ganzen Aktion oft eine kleine Diskussion: „Weeten Ji, wer een Tau hett?“ – „Wann is denn toletzt een bruukt woorn?“ – „Ik glööv, dat licht noch door, wo de letzte Girland ophungen worn is!“ – „Ick kümmer mi dorüm.“ usw. Mit dem Schild ist es einfacher. Meist muss es neu gekauft werden. Aber auch das Schild bekommt einen Schmuck mit Buchsbaumgrün und auch Blümchen. Für mich war das immer eine elendige Fummelei, die ich lieber jemand anderer (kompetenteren) Dame überlassen habe. Aber inzwischen gehöre ich zu den „Kranz-Binderinnen“ und habe dazugelernt, denn so ganz einfach ist diese Verrichtung nicht! Da darf ja nichts auseinanderfallen, wenn die Girlande zum Zielort getragen wird.
Außerdem werden kleine Blumensträußchen gebunden, die dann beim Aufhängen der Girlande auf dieser verteilt werden. Nicht jeder hat die dafür passenden Blumen im Garten. Aber es kommt aus den verschiedenen Gärten meist immer genug für den Blumenschmuck zusammen. Wenn es für eine Silberne, Goldene oder sogar Diamantene Hochzeit ist, wird natürlich noch anderer Schmuck benötigt, auch dafür finden sich immer bastelfreudige und talentierte Frauen (natürlich auch Männer). Bei einer Hölzernen Hochzeit (für 10 Jahre) wird die Girlande mit hölzernen Haushaltsgegenständen geschmückt, Holzlöffel, Schneidbretter oder was sonst (aus Holz) so gebraucht werden kann. Es ist sehr schwierig, eine „richtige“ Girlande aus Holzspänen zu bekommen. Jemand hat vielleicht Kenntnis, wo eine aufbewahrt wurde. Mein Mann und ich konnten an unserem 10ten Hochzeitstag eine hölzerne an unserer Haustür bewundern!
So eine Festvorbereitung macht Arbeit. Man muss schon mit ein paar Stunden rechnen. Aber danach geht’s ans Kaffeetrinken und Kuchenessen! Das Aufräumen wird auch gemeinsam erledigt. Dabei wird geschnackt und gelacht in fröhlicher Runde. Es macht einfach Spaß!
Und dann kommt die Hauptsache, das Aufhängen! Eine Aktion für die ganze nähere Nachbarschaft! Die Männer bewaffnen sich mit Trittleiter, Hammer und Nägeln, die Girlande wird von mehreren Personen getragen, die Blumensträußchen und andere benötigte Utensilien von allen mitgenommen und im Gänsemarsch geht’s zur Wohnung des Jubelpaars. Da steht manchmal sogar schon eine Leiter bereit. Aber dort lässt sich natürlich vorerst niemand sehen. Obwohl sicher schon mal hintenrum oder durch die Gardine das ganze Treiben beobachtet wird, denn es braucht so seine Zeit, bis die Girlande hängt und fertig geschmückt ist. Es wird wohl auch die Anzahl der Mitwirkenden gezählt, um zu wissen, wie viele Schnapsgläser benötigt werden! Alles muss gut aussehen, hier und da wird noch geordnet und herumgezupft. Eine Arbeit für die größeren Personen, die ganz nach oben „hinlangen“ können. „Dat iss aber scheef! Nimm de Struusch beeten höher, joo, so kann dat angahn!“ – Endlich kann geklingelt werden. (Falls es sich um eine Grüne Hochzeit handelt, wird natürlich „gepoltert“! Scherben bringen Glück!) Die Gesellschaft tritt zurück und erwartet das Jubelpaar. Dieses kommt heraus, tritt zurück um sich alles anzusehen, tut manchmal sehr überrascht, freut sich und lobt den Türschmuck. Der eingeschenkte Schnaps und auch Likör auf dem Tablett steht bereit, wird herumgereicht und mit „Prost“ werden die Gläser geleert. Es werden natürlich Fotos gemacht um das Ereignis „festzuhalten“. Danach wird man ins Haus oder in die Garage, manchmal auch in ein Zelt gebeten, wo der Polterabend mit einer Suppe oder einem Imbiss gefeiert wird.
Ich erinnere mich an so manches Girlande-Aufhängen hier in Schnarup. Einmal war es ein Hundertster Geburtstag, und eine Ehrenpforte schmückte die Auffahrt noch zusätzlich. Als mein Mann und ich unsere Silberhochzeit feierten, konnten wir auch eine Ehrenpforte an der Hofeinfahrt bewundern. Das hatten wir nicht erwartet und es freute uns sehr.
Wenn in einer Gaststätte gefeiert wird, ist es üblich, auch die Eingangstür der Gaststätte zu schmücken. Manchmal wird auch die Kirche geschmückt.
Bei den Feierlichkeiten kommt es auch heute noch vor, dass etwas aufgeführt wird, vielleicht ein Sketch oder ein Gesangsvortrag, und meist wird für diesen Zweck auch gedichtet. Dafür trifft sich die Nachbarschaft in irgendeinem Haus und es wird beratschlagt, was denn zu machen sei. Bei dieser Gelegenheit kann auch gleich das Geld für ein Geschenk eingesammelt werden und jemand wird beauftragt, es dann beim Fest zu überreichen. Verschiedene Vorschläge werden diskutiert, abgelehnt. Endlich steht das Konzept, und es gibt vielleicht mehrere Treffen. Es ist nicht immer so einfach, das jeweils Passende zu finden. Es hat aber, soviel ich weiß, immer Spaß gemacht! Zu hoffen ist, dass dieser schöne Brauch nicht ausstirbt! Die Nachbarschaft kommt zusammen, und das ist doch wichtig.
Herta Andresen

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