Unsere Rundtour: Was liegt da hinterm Knick?

Mein Mann und ich gehen fast jeden Tag spazieren. Meistens walken wir. Es sind immer dieselben Strecken, die wir dabei „ablaufen“, nur etwas abgewandelt. Es gibt die kleine Tour, die mittlere, die große und die ganz große. Mancher fragt sich vielleicht, wieso wir immer wieder dieselben Wege ablaufen, aber es wird uns nicht langweilig. Wir beobachten die Natur und die Tiere, wenn sie sich denn zeigen. Wir gucken, was auf den Feldern wächst und wie weit es schon gediehen ist, freuen uns z. B. über die ersten Rapsblüten und sehen nach, ob sich der Waldmeister schon auf den Weg durch das Laub nach oben macht. Kein Spaziergang gleicht dem anderen. Das liegt an den Jahreszeiten und auch daran, was uns interessiert. Ich liebe es auch, ein Fernglas mitzunehmen. Außerdem mache ich gerne Fotos, besonders von den herrlichen Sonnenuntergängen und Wolkenformationen.
Vor ein paar Jahren machten wir eine Entdeckung hinter dem Knick bei Loimoos. Der hatte noch nicht ausgegrünt, und so war es gut zu sehen: „Was liegt da denn? Was hat der Bauer denn da abgelegt? Oder hat ein Jäger da was druntergelegt?“–„Nee! Kann nicht sein! Sieht ja aus wie ein Boot. Oder es war mal ein Boot.“ Wir wackelten mal kurz an dem geheimnisvollen Gegenstand. Ziemlich schwer. Sah aus wie ein Teil eines umgekippten Bootes. Umdrehen wollten wir es lieber nicht. Rote und weiße Farbe war zu sehen, die schon überall abgeblättert war. Ein Stück Sperrmüll wohl. Oder Sondermüll. Merkwürdig. Wer macht so was? „Na ja, wenn der Bauer das sieht, dann wird er es wohl entfernen“, meinten wir, „oder dafür sorgen, dass das Ding wieder verschwindet.“
Das „Ding“ liegt immer noch da hinterm Knick! Es ist den landwirtschaftlichen Maschinen so nicht im Weg (deshalb liegt es wohl noch dort). Sie fahren da genau dran vorbei. Zu übersehen ist es nicht. Gesehen haben es sicher schon mehrere Leute. Davor, am Weg, steht eine Bank. Und so mancher ist sicher auch schon mal genau dort „hinter den Knick gegangen“. So wie wir.
Vielleicht hätten wir uns kümmern sollen? Anderseits ist es interessant zu beobachten. Es verändert sich nicht, scheint nicht zu vergammeln. Es stört niemanden; es liegt ja nur da hinter dem Knick, dieses geheimnisvolle restliche Boot. Und jetzt verdeckt bald ein bisschen mehr Grün das „Ding“.
Die Bank bei Loimoos ist die erste auf unserer großen Spaziertour. Neulich lag sie umgekippt dort! Der Sturm hatte das sicher nicht verursacht. Mein Mann hat sie wieder an ihren Platz gestellt.
Die nächste Bank lädt vor dem Schnaruper Wald zum Ausruhen ein. Im Schnaruper Wald waren wieder ein paar heftige Sturmschäden zu sehen. Momentan warten wir darauf, wann das erste Maigrün sich zeigt. Und Ende Mai wird das Knabenkraut gesucht. Ein Kolkrabennest ist zu sehen, und den Specht hören wir hämmern.
Etwas Wasser steht auch wieder im Wald. Das freut uns, denn eine Zeitlang war es sehr trocken dort. Manchmal halten sich da einige Enten auf. An der Au angekommen entdeckten wir etwas Kurioses. Die Bank, die dort seit einigen Wochen am Knick stand, hatte jemand (eher zwei) genau auf die Brücke über der Au gestellt! Wohl ein Jux!? Mein Mann und ich fassten sie jeder an einem Ende an, hievten sie die krummen Stufen hoch wieder an ihren Platz. Manchmal kann man sich doch sehr wundern! Dieser Platz an der Au ist ein guter Ort für ein Picknick, finde ich. Die Au plätschert so schön, und es ist Platz genug, um sich ein Tischchen dort aufzustellen, oder einfach eine Decke auszubreiten.
Weiter ging unsere Tour. Den Neuen Weg entlang, dann durch Schnarup-Dorf. Die nächste Bank lädt direkt zum Hinsetzen ein: „Set Di dol!“ steht auf dem Schild. Von dort kann man entweder links abbiegen und den Wiesenweg hinuntergehen, oder weiter geradeaus in die „Feldmark“ hinein. Es ist eine Sackgasse, denn der Feldweg endet an einer Koppel. Da geht es steil hinunter auf die Wiese und an zwei „Teichen“ vorbei (leider wachsen sie nach und nach zu) zurück auf den Feldweg. Dort steht auch eine Bank. Wenn es „Pflaumenzeit“ ist, wird dort von uns genascht. Vor Jahren standen kleine Pflaumenbäumchen dort. Die wurden irgendwann abgeholzt, und nun sind es Pflaumenbüsche. Sie tragen aber trotzdem. Die kleinen dunkelblauen Früchte sind lecker. Bank Nummer 6 steht ein paar hundert Meter weiter. Diese war einmal in den Schleswig-Holstein-Farben gestrichen, blau-weiß-rot. Aber ihren Zweck erfüllt sie auch ohne „Flagge zu zeigen.“ Auf unserer Tour stehen also genau sechs Bänke! Ohne den Umweg durch die Wiesen läuft man von unserem Haus aus genau 5.5 km. Wenn man möchte, kann man sich öfter ausruhen. Vielleicht ist es sogar manchmal ganz gut, sich etwas mehr Zeit zu nehmen!
Herta Andresen

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