Chronikbericht, Teil 2: Die Meierei in Thumby

Wie kam es zum Bau? Gehen wir zurück in das Jahr 1890. In dieser Zeit gab es in den Dörfern Büttenmeiereien, das waren Sammelstellen für Milch. In kühlen Räumen wurde die Milch in flachen Gefäßen zum Aufrahmen aufgestellt. Den Rahm schöpfte man mit großen Löffeln ab und verbutterte ihn im Handbetrieb. Eine solche Büttenmeierei befand sich im Hause Dorfstraße 4 (heute Hans-Rudolf Sacht). In der alten Grundsteuerakte finden wir für dieses Grundstück auch den Vermerk: Meierei. Der Absatzweg dieser Butter ist mir nicht bekannt, er kann nur mit einem Pferdefuhrwerk bewerkstelligt worden sein.
Mit der Erfindung der Zentrifuge wurde dieses alte Verfahren überholt, und gleichzeitig kam ein weiteres hinzu: „Doch ohne das um diese Zeit bestehende Eisenbahnnetz hätte die Zentrifuge nicht ihre innovative Rolle für die Milchwirtschaft spielen können“. (Zitat aus dem Historischen Atlas für Schleswig-Holstein). Die Eisenbahn ermöglichte erstmalig den Transport von Butter über weite Strecken. Diese beiden technischen Voraussetzungen gaben den Anstoß, dass überall im Lande Meiereien entstanden.
Doch nun zurück zur Büttenmeierei nach Thumby. Der Betreiber geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten und konnte im Frühjahr 1890 seine Milchlieferanten nicht mehr bezahlen. Dies bestimmte den Zeitpunkt, auch hier eine Genossenschaftsmeierei zu gründen. Eine vorbereitende Kommission hatte sich eine Mindestkuhzahl von 250 gesetzt, innerhalb von 6 Tagen meldeten sich Interessenten mit insgesamt 330 Kühen. Deshalb ging die Kommission zügig daran, ein Grundstück für den Bau zu erwerben. So kaufte man das heutige Grundstück von den Katenstellen Kohrs (heute Dorfstraße 19) und Jes von Lengern (Dorfstraße 26)
Es ging Schlag auf Schlag, innerhalb eines Monats: Wahl der vorbereitenden Kommission, Kauf des Grundstücks, Bauplan, Angebote von Maschinenfirmen, Beurteilung des Bauplans durch den Meierei-Consulenten Tamm aus Flensburg, Vergabe des Baus an den Bauunterneh-mer E. Christophersen aus Satrup. Das alles geschah im Juli 1890, dazu wurde die Gründungsversammlung vorbereitet für den 4. August 1890. An diesem Tage unterschrieben die Interessenten vor dem Königlich-Preußischen Notar Salling das Statut und waren damit Mitglied der Genossenschaft. Bei der heutigen Niederschrift dieser Ereignisse in so gedrängter Zeit ist man beeindruckt von der Zielstrebigkeit der handelnden Personen. Und es stellt sich die Frage, ob in heutiger Zeit, ein derartiges Vorhaben auch so zügig hätte durchgezogen werden können. Ich fürchte, man bräuchte jetzt die vielfache Zeit – Fortschritt oder Abstieg?
Das Projekt muss weiterhin flott vorangekommen sein, denn zum Tag der ersten Milchlieferung wurde der 19. Januar 1891 bestimmt. Vorher wurde noch der erste Meierist verpflichtet, Christophersen aus Loit. Das Jahresgehalt betrug 1200 Mark plus 50 Pfennig je Butterdrittel. Butterdrittel war damals die Fachbezeichnung für eine Tonne voll Butter mit 50 kg Inhalt, die Butter damals wurde überwiegend als Fassbutter gehandelt.
Der Geschäftsbericht des ersten Betriebsjahres liegt noch vor. Es wurde fast eine Million kg Milch angeliefert, man stellte 727 Zentner Butter her, ein Pfund Butter brachte 1,08 Mark, ein Liter Milch wurde mit 7,32 Pfennig bezahlt. Eine Kuh gab im Durchschnitt 2373 kg Milch im Jahr mit 3,1 % Fett. Zu Anfang war der Ortskern Thumby gehalten, im Sommer zweimal täglich anzuliefern. Der Grund war sicher die nicht vorhandene Kühlmöglichkeit bei den Lieferanten. Auch über die Qualität der Butter hat man sich Gedanken gemacht, so heißt es: „Es wird dem Vorstand überlassen, 1 Tonne Butter einige Wochen zurückzuhalten, um zu erfahren, ob die Butter auch haltbar sei und wie lange.“ Nach 8 Wochen wird dann festgestellt „die Butter, die zurückbehalten wurde, habe ergeben, dass sie an Geschmack verloren habe.“
1892 wird der endgültige Vorstand gewählt, Claus Martensen (Thumby-West 6) übernimmt den Vorsitz, Johannes Gäthje, der Kaufmann, wird Rechnungsführer und Nicolai Petersen, Müller und Bürgermeister von Thumby, bleibt Schriftführer. Auf derselben General-versammlung wird die Steckrübenfütterung verboten (Buttergeschmack), Runkelrüben sind weiterhin erlaubt. Im gleichen Jahr wird ein „Drittelfest“ gefeiert: Die tausendste Tonne Butter war gefüllt. In diesem Geschäftsjahr übersteigt die Anlieferung schon die Millionengrenze und der Erlös für die angelieferte Milch steigt auf 8,94 Pfennig.
Der Bericht wird fortgesetzt.
Hans Konrad Sacht

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