Einkaufen früher: Im Tante-Emma-Laden

Im Ortsteil Schnarup nannte man den oberen Teil Schnarup-Hörn. Schon als Kinder kannten wir diese Bezeichnung. In Schnarup-Hörn gab es vor dem letzten Krieg einen kleinen Kaufmannsladen.
Als Kinder gingen wir dort gerne hin, um eine Kleinigkeit für Mutter zu holen, denn es gab immer einen Bonbon dazu. In unserer Kindheit und dann noch zu jener Zeit gab es nicht so viel zu naschen. Frau Jensen, so hieß die Besitzerin des Kaufladens, löste ihr Geschäft in den Kriegsjahren auf und wanderte nach Amerika aus. Nun mussten alle Einkäufe in Thumby erledigt werden. Dort konnte man bei Helene Bergholz und bei Christiansen einkaufen. In beiden Läden gab es alles, was man für ein Leben in unseren Dörfern benötigte. Im Kaufhaus Christiansen konnte man sogar Stoffe einkaufen und sonstige Nähsachen, Knöpfe, Stopfgarn und kleine Geschenke. Auch Schreibsachen konnte man in beiden Läden erwerben. Haushaltsgeräte, Nägel, Gummistiefel, Holzschuhe und vieles mehr boten beide Läden an. Zum neuen Schuljahr lagen alle Hefte schon bereit. Das waren so richtige Tante-Emma-Läden. Zur Konfirmationszeit lagen die Glückwunschkarten auf dem Ladentisch. Genauso waren zur rechten Zeit Weihnachts-, Oster-, Hoch­zeits- und Trauerkarten ausgelegt. Alles sehr aufmerksam. Zwei Stühle standen bereit. Nach einer Fahrradtour gegen den Wind tat es gut, dort einen Moment zu verschnau­fen.
Außerdem war es in beiden Läden üblich, dass man auf Buch einkaufen konnte. Eine Vertrauenssache. Am Mo­nats­­ende wurden dann die Einkäufe beglichen. Natürlich konnte man auch bar bezahlen.
Nach dem Krieg war das Sortiment erheblich ein­geschränkt, doch die Läden machten weiter. Lebensmittel gab es auf Karten. Mehl, Zucker, Salz, Reis usw. wurde lose verkauft. Die Tüten dazu waren sehr knapp. Zuhause ent­leert wurden sie sorgfältig gefaltet. So war der nächste Einkauf gesichert. Von der heutigen Hygiene wuss­ten wir noch nichts. Durch das große Flüchtlingsaufkommen hatten beide Läden ihr Auskommen. Bei Christiansen wurden noch junge Männer zum Kaufmann ausgebildet.
In den Nachkriegsjahren machten sich noch die Eheleute Gaasch mit einem kleinen Verkaufsladen selbstständig. Sie waren aus Pommern hierher geflüchtet und hatten dort ihren Kaufladen verlassen müssen. An der Ecke zum Friedhof stand das kleine Holzhaus. Wenn Konfirmandenunterricht anstand, war dort reger Betrieb. Viele Naschwaren, Tabakwaren und einige Lebensmittel wurde hier angeboten. Von den Kaufleuten wurden auch Waren gebracht. Man kam ins Haus, nahm eine Bestellung auf und lieferte dann aus. Das war noch eine ruhige Zeit. Man traf sich beim Kaufmann oder Bäcker, unterhielt sich und man kannte fast alle Dorfbewohner. Doch dann kamen die Autos, die Fernseher und Aldi. So wurde wieder vieles anders. Unser Dorfleben ist jetzt noch oft intakt; dazu müssen nur alle ein wenig mithelfen. In den letzten Wochen haben wir gespürt, in einem Dorf zu leben. Dafür danken wir, denn das ist toll.
Gerda Zielke

Das Foto zeigt Rita Witt 2002 vor dem Schaufenster ihres Ladens in Thumby.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*

code