24/7 im Einsatz für das Ehrenamt: Mantrailer

Im Februar 2024 war ich bei Anke und Jörg Oestreich zu Gast. Aufmerksam wurde ich auf diese zwei sympathischen Menschen durch die Aufschrift ihres Wohnmobiles: „Rettungshundestaffel Johanniter“. Bei einer Tasse Kaffee erklärten mir die beiden, wie umfangreich die Ausbildung zum Mantrailer ist und dass es einen Unterschied zum Flächensuchhund gibt.
Mantrailing (englisch man ‚Mensch‘ und trail ‚verfolgen‘) ist die Personensuche unter Einsatz von Hunden, die Mantrailer oder Personenspürhunde genannt werden. Dabei wird der hervorragende Geruchssinn der Hunde genutzt.
Der Unterschied zwischen einem Mantrailer und anderen Suchhunden besteht darin, dass der Mantrailer bei der Suche verschiedene menschliche Gerüche voneinander unterscheiden kann und sich trotz vieler Verleitungen ausschließlich an den Geruchsmerkmalen der gesuchten Person orientiert. Im Gegensatz zum Flächensuchhund, der jeden menschlichen Geruch anzeigt.
Mantrailer können nicht nur auf Spuren von Fußgängern eingesetzt werden, selbst die relative Abgeschlossenheit eines fahrenden Autos verhindert nicht, dass die Personen verfolgbare Spuren hinterlassen. Mantrailer können, im Unterschied zu Fährtenhunden, auch in Gebäuden und auf bebauten Flächen eingesetzt werden. (Quelle Wikipedia).
Wer sich dazu entscheidet, seinen Hund und sich zum Rettungshundeteam ausbilden zu lassen, hat, wie ich finde, durch eine ziemlich harte Schule zu gehen. Die Ausbildungszeit von Hund und Mensch liegt zwischen 2,5 und 3 Jahren, bis das Team zur Prüfung zugelassen wird. Der Vierbeiner darf beim Absolvieren der Prüfung nicht älter als sieben Jahre sein. Die Durchfallquote liegt bei 70% im Bereich des Mantrailing, in der Fläche bei ca. 40%. Der Zweibeiner muss die Sanitätshelferausbildung, Funkausbildung, Orientierung mit Karte und Kompass, sowie im Bereich der Psychosozialen Notfallversorgung ausgebildet sein. Die Prüfung ist alle zwei Jahre zu wiederholen. „Nach der Prüfung ist vor der Prüfung“, sagt Jörg mit einem Schmunzeln. Er und Anke wissen es gut, denn beide sind außerdem anerkannte Prüfer für Mantrailer.
Anke und Jörg haben sich 2006 bei der Hundestaffel der Johanniter in Schleswig kennengelernt.
Beide sind mit Herz und Seele in ihrem Ehrenamt tätig. Jeweils zwei Mal die Woche sind Anke und Jörg mit ihren Flächensuchhunden im Training, sowie zwei Mal zusätzlich mit den Mantrailern. Bei den Trainingseinheiten kommen sie in beiden Fällen locker auf fünf und acht Stunden.
Die sechs Hunde der Oestreichs sind Spezialisten; entweder ausgebildet in der Fläche oder im Trailing.
Wenn zu einem Einsatz gerufen wird, stehen alle Hunde parat und wollen mit. Sofern der Melder geht oder die Einsatzkleidung angezogen wird, wissen die klugen Vierbeiner, was kommt. Und es werden immer alle Hunde mitgenommen. Das Wohnmobil haben die Eheleute extra so umbauen lassen, dass ihre sechs treuen Wegbegleiter darin Platz haben. Daher sind sie auch in jedem Urlaub dabei.
Anke und Jörg Oestreich leben ihr Ehrenamt 24/7. Es ist zu merken, wie diese Leidenschaft die zwei verbindet, aber auch, was für Zeit, Arbeit und Engagement sich dahinter verbirgt (im Jahr 2023 wurden sie z.B. zu ca. 40 Einsätzen gerufen).
Gerne hätte ich noch viel mehr erfahren, aber die Zeit wurde knapp. So gaben mir beide noch zwei Bitten / Aufrufe mit auf den Weg. Zum einen wünschen sie sich von Polizei und Feuerwehr, lieber frühzeitig informiert zu werden, statt am Ende der Möglichkeiten zur Personensuche hinzugezogen zu werden.
Zum anderen würden sie sich über Nachwuchs für ihre Johanniter Hundestaffel in Schleswig freuen. Jeder Interessierte ist herzlich willkommen, vier Wochen in das Team und das Drumherum reinzuschnuppern. Gerne melden unter: 0151-57285125.
Und schon waren die Beiden Zweibeiner mit ihren sechs Vierbeinern auf dem Weg zum nächsten Training. Ich sage: Danke für den interessanten Einblick und toll, dass es Menschen wie euch gibt!
Stefanie Walter

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