Chronikbericht (Teil 7): Die Volksschule Thumby zwischen 1875 und 1918

In den Jahren ab 1905 erweist sich die Sparkasse (damals Spar- und Leihkasse) als wichtiger Förderer der Thumbyer Schule, denn den Aufzeichnungen zufolge werden in jedem Jahr finanzielle Mittel in Höhe von in der Regel 70 Mark für die Anschaffung von Unterrichtsmitteln und für die Erweiterung der Schülerbücherei zur Verfügung gestellt.
Stichwort Unterrichtsmittel: Erstmalig erwähnt wird in der Chronik ein solches im Jahre 1906, denn dort heißt es: „Mit Beginn des Winterhalbjahres wurde das neue Vaterländische Lesebuch mit Genehmigung der Königlichen Regierung eingeführt.“ Dieses Vaterländische Lesebuch sollte sich in den Folgejahren als höchst erfolgreiches und in hoher Auflage verbreitetes Unterrichtswerk erweisen. Es gab verschiedene regionale Ausgaben, darunter auch eine für Schleswig-Holstein. Diese neu eingeführte Lesebuchreihe war keineswegs nur eine „neutrale Sammlung von Texten der Lesefähigkeiten“ (Langer, Nils: Die Lesebuchfrage in Schleswig-Holstein. In: Bär, Jochen A./Müller, Marcus (Hg.): Geschichte der Sprache – Sprache der Geschichte. Probleme und Perspektiven der historischen Sprachwissenschaft des Deutschen. Berlin 2012, S. 570), sondern ein Schritt, um die dänischen Einflüsse im Bereich Sprache und Kultur, die ja immer noch in hohem Maße bestanden, weiter zurückzudrängen. Auch viele Jahre nach dem Rückzug Dänemarks gab es in unserer Region immer noch eine Zwei- bis Viersprachigkeit: Deutsch und Dänisch, ergänzt um Platt-Deutsch und Platt-Dänisch (Langer, ebd.).
War bisher immer von „Schulinteressenten“ die Rede, so taucht im Jahre 1908 zum ersten Mal der Begriff „Schulvorstand“ auf. So ist in der Chronik zu lesen: „Am 1. April trat der Schulvorstand des Gesamtschulverbandes Thumby in Tätigkeit. Derselbe setzt sich zusammen aus: Pastor Nissen, Verbandsvorst. und Gemeindevorsteher N. Petersen – Thumby, Stellvertretender Verbandsvorsteher, N. Thomsen – Schnarup, H. Juhl – Thumby, E. Petersen – Fresenburg, P. Andresen – Klaholz und H. Gäthje – Schnarup.“ Ausdrücklich wird noch folgender Satz hinzugefügt: „Ein Lehrer befindet sich nicht im Schulvorstand.“
Zeitgleich mit diesem Chronikeintrag wird ein neues Protokollbuch eingerichtet, das „Versammlungsbuch des Schulvorstandes der gemeinsamen Volksschule zu Thumby der Gemeinden Schnarup und Thumby/Angeln“. Dieser neue Schulvorstand würde heute wahrscheinlich Schulverband genannt werden – gemeint ist eine gemeindeübergreifende Schulträgerschaft. Was die Gemeinden Schnarup und Thumby damals dazu bewogen hat, einen solchen Schulvorstand zu gründen, geht zunächst weder aus der Schulchronik noch aus dem Protokollbuch des Schulvorstandes hervor. Wenn man allerdings ein wenig weiterliest, werden die Beweggründe schon bald deutlicher: Man plant einen Schul-Neubau, hofft auf finanzielle Unterstützung aus Berlin und möchte sich die restlichen Kosten teilen.
So ist in der Schulchronik für 1908 zu lesen: „Am 30. April besichtigt eine Kommission aus der Königlichen Regierung die 1. Lehrerwohnung und das Schulhaus und rät zu einem ‚Gesamtneubau.‘“
Jetzt geht alles ziemlich schnell. Schon am 21. September des gleichen Jahres 1908 beschließt der Schulvorstand „einstimmig einen Schulneubau ausführen zu lassen, zwei Wohnungen für 2 verheiratete Lehrer und eine Wohnung für eine Lehrerin und erklärt sich im Wesentlichen mit dem von dem Königlichen Kreisbauinspektor aufgestellten Vorentwurf mit einem Kostenbetrage von 30.000 M einverstanden.
Ulrich Barkholz

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